Musiktipp: Michael Kiwanuka

Zwischen all dem Trump-Wahnsinn und Weltuntergangs-Szenarien gibt es immerhin noch grandiose Musik. Musik, die Hoffnung weckt, unverzagt ist und ein klein wenig tröstet. Musik wie die des britischen Soulsängers Michael Kiwanuka, dessen Musik ich vor wenigen Tagen entdeckt habe.

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Musik zwischen Buchdeckeln: „Glückstage in der Hölle. Wie die Musik mein Leben rettete“

Den Vater trifft ein Schlaganfall, die Schwester begeht Selbstmord, die Mutter stirbt an Krebs – ihr meint, so viel Unglück kann kein Mensch haben? Leider nein. All das traf den Sänger der Band Eels, Mark Oliver Everett. Wie er all das überlebte, erzählt er schonungslos offen in seiner Autobiographie – und in seiner Musik.

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Warum AnnenMayKantereit so lala sind und Isolation Berlin richtig cool

Deutschsprachige Bands sind zurzeit der “Shit”. Allen voran AnnenMayKantereit, die im Feuilleton hoch und runter besprochen werden und deren Name beim Hurricane Festival so groß geschrieben ist, wie der so mancher gestandener Band. Obwohl sie erst vor kurzem ihr erstes Album herausgebracht haben!
Gleichzeitig tauchten Isolation Berlin an meinem musikalischen Horizont auf, empfohlen von „Kulturzeit“: eine junge Band aus – logisch – Berlin.

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Neulich am Morgen…

Interpretation des Songtextes „Your endless dream“ von Get well soon

Mann und Frau – diese Kombi geht immer. In Büchern, Filmen und nicht zuletzt in Liedern. Besonders in Form von Duetten. Deshalb möchte ich euch auf keinen Fall eines der schönsten Duette vorenthalten, das ich kenne: “Your endless dream” von der deutschen Band Get well soon.
Wer sie noch nicht kennt: Sie ist ein Musikprojekt um Songschreiber, Sänger und Multiinstrumentalist Konstantin Gropper.
Lange Zeit dachte ich, dass es in ”Your endless dream” um Liebe geht, aber irgendwann ging mir ein Lämpchen an, dass das Thema wohl ein ganz anderes ist….

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Eine Liebeserklärung

„New York Morning“ von Elbow, zu hören auf „The take off and landing of everything“ (2014)

Hat Musik bei euch schon mal den Wunsch ausgelöst, eine Stadt unbedingt sehen zu wollen? New York ist mein Sehnsuchtsort, denn gleich zwei großartige Bands beschäftigen sich mit dieser Stadt. Die dänische Band Kashmir und Elbow aus dem UK.
Beide haben ihren Tribut an die Stadt, die niemals schläft, in Musik gegossen. Was ist nur an dieser Stadt, dass ihr so viele musikalische Denkmäler gesetzt werden? Ich hoffe, ich werde es eines Tages herausfinden.

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Das Warten ohne Ende

„The Outlaw torn“ von Metallica, zu hören auf „Load“ (1996) oder „S&M“ (1999)

Trauer – damit verbindet man zunächst Stille, Schweigen, Abkapselung. Dass Trauernde aber auch wütend sein können, zeigen Metallica im Song “The outlaw torn”.

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Machst du jetzt den Kakao – oder nicht??

Zwischen all den bedeutungsschweren Texten mal was Lustiges. 😉

Leidenschaft als Droge oder Drogen als Leidenschaft?

„Smells like teen spirit“ von Nirvana, zu hören auf „Nevermind“ (1991)

1999 – für mich das Jahr von MTV und den 2Rock-Charts. Was für eine glorreiche Zeit! Einmal in der Woche saßen meine Schwester und ich vor dem Fernseher und verfolgten mit fast heiliger Andacht die neuesten Rock-Videos.

Fast zeitgleich machte mich meine Schwester auf Nirvana aufmerksam. Sie eines Tages: “Kennst du schon Nirvana?” “Äh…nein?” “Waaas, du kennst nicht Nirvana?!”

Ich weiß nicht mehr wie, aber kurz darauf besaß ich “Nevermind” und “In Utero” auf KASSETTE (Manch einer kennt es vielleicht noch: Gelegentlich verhedderten sich die Bänder, die dann mittels eines Stiftes wieder sorgsam aufgerollt werden musste).

Kassette

Zurück zu Nirvana: Ich war hin und weg. Kurt Cobains Stimme, die Melodien, der Ausdruck – mächtig viel Futter für mein rebellisches, melancholisches Teenager-Ich, das 1999 so langsam erwachte.

Und auch 17 Jahre später liebe ich die Musik von Nirvana immer noch (wer nicht?). Wenn Nirvana’s “Smells like teen spirit” im Club kommt, bin ich eine der ersten auf der Tanzfläche.
Um diesen Song meinen Tribut zu zollen, möchte ich mich heute mit dessen Text auseinandersetzen. 

Ich gebe zu, dass ich mich schwer getan habe, eine stimmige Erklärung für die Lyrics zu finden. Deshalb habe ich recherchiert. Zwei Interpretationen der User BiPolarBer und Jurinushi auf songmeanings.net haben mich am meisten überzeugt. Für BiPolarBer geht es in dem Song um Drogen, für Jurinushi um die Band Nirvana selbst. Und beide finden gute Gründe für ihre Sichtweise. Schauen wir mal.

Load up on guns, bring your friends
It’s fun to lose and to pretend
She’s over-bored and self-assured
Oh no, I know a dirty word*

Für BiPolarBer sind die “Guns” die Spritzen, die vor einer Party geladen werden, mit einer gewissen desaströsen und gleichzeitig selbstzufriedenen Stimmung. Das “schmutzige Wort” ist für ihn Heroin.

Jurinushi meint dagegen, die ersten Strophen zeichneten das Bild von High School-Teenagern, die sich aus purer Langeweile bekriegen. Außerdem erzählten sie von jungen Mädchen, die vorgeben, gelangweilt zu sein und damit älter wirken wollen. Das schmutzige Wort für ihn: “Bitch”.

Hello, hello, hello, how low
Hello, hello, hello, how low*

BiPolarBer meint, Sprecher dieser Worte seien Menschen, die versuchen, jemanden wach zu halten, der sich eine Überdosis gegeben hat und fast über den Jordan geht.

Jurinushi:  “Now imagine the high-school gym hall, filled up with the students we described above, that are waiting to listen to a rock band from their school. The first word in the microphone, to salute and also to test the audio system, is “Hello”. It echoes through the loudspeakers “hello, hello, hello, …”

With the lights out, it’s less dangerous
Here we are now, entertain us
I feel stupid and contagious
Here we are now, entertain us
A mulatto, an albino, a mosquito, my libido
Yeah, hey*

BiPolarBer: “With the lights out…” – laut des Kommentators präsentiert diese Zeile das wohlige Gefühl nach dem Schuss. Für mich repräsentiert es auch den schlichten Fakt, dass es weniger gefährlicher ist (im Sinne von erwischt werden), wenn man Drogen im Dunkeln nimmt. Die Zeilen “Here we are now, entertain us, I feel stupid and contagious” fassen das Hochgefühl und den anschließenden Kater nach den Drogen in Worte. “Mulatto” symbolisieren für BiPolarBer das Heroin (Black Tar Heroin färbt das Wasser braun), “albino” Kurt selbst, “mosquito” die Nadelspitze und “My Libido” bedeute, dass der Sprecher Heroin stärker begehre als Sex.

Jurinushi: Er sieht darin den Beginn eines Nirvana-Konzertes in den frühen Jahren, als sie noch nicht berühmt waren und eine gewisse Selbstsicherheit hatten (“I feel stupid…”). Mulatto, albino und mosquito – das seien Krist Novoselic (“with black hair, black beard, big face, who looked like a mulatto”), Kurt Cobain und Dave Grohl (Mosquito wegen seines Fliegengewichts), so wie sie das Publikum sieht. “My libido” – das steht für die Band Nirvana selbst, ihre Leidenschaft, ihre Freude. 

I’m worse at what I do best
And for this gift I feel blessed
Our little group has always been
And always will until the end*

Hier überschneiden sich die Interpretationen der beiden Kommentatoren. Für beide geht es um einen Künstler, der mit seiner Kunst nie zufrieden ist, dies aber als Segen empfindet, da es ihn antreibt, immer besser zu werden. Die “litte group” ist natürlich Nirvana, von der sich der Sprecher nicht vorstellen kann, dass sie sich jemals auslöst.

And I forget just why I taste
Oh yeah, I guess it makes me smile
I found it hard, it’s hard to find
Oh well, whatever, never mind*

Diese Zeilen drehen sich wiederum mehr um Drogen. Der Sänger weiß nicht mehr genau, warum er diese probiert hat; er vermutet, weil es ihn zum Lächeln bringt. Die letzten Zeilen dagegen wirken verwirrt und unzusammenhängend. Entweder hat der Erzähler einen drogenbedingten Gedächtnisausfall oder es trifft Jurinushis Theorie zu: Demnach seien die letzten Zeilen die Manifestation eines Blackouts auf der Bühne und des Versuchs trotzdem irgendetwas zu singen.

A denial*

Eine Verweigerung? Ablehnung? Beides passt sowohl auf die Drogen- als auch auf die Band-Theorie. Denn wer Drogen nimmt, steigt aus der “normalen” Gesellschaft aus; weigert sich, an ihr teilzuhaben. Aber auch das Leben als Künstler – zum Beispiel als Sänger und Musiker – kann  als Weigerung gesehen werden, ein gewöhnliches Leben zu führen.

So weit, so bedeutungsschwer. Es gibt aber auch andere Meinungen. DreamlessNights schreibt: This song’s a joke. No really, it is.  One of his ex girlfriend’s spraypainted „Kurt smells like teen spirit“. Well „Teen Spirit“ is a deodrant. He didn’t know that back then (found out after the song was released) and thought it was a good revolution slogan. Long story short, he used that title to make a joke song about a „revolution“. That’s all it is, a joke.“

Was meint ihr zu den Interpretationen? Worum geht es bei „Smells like teen spirit“ für euch? Oder ist am Ende der Text eines der berühmtesten Lieder der Welt nur ein Witz?

*(written by Kurt Cobain, Dave Grohl and Krist Novoselic; Songtext-Quelle)

 

Neidischer Teufel

„Bliss“ von Muse, zu hören auf Origin of Symmetry (2001)

Wer von uns ist schon ein guter Mensch? Ich meine, so richtig gut?  Viel zu oft sind wir voller Groll über unsere Mitmenschen, ungeduldig und genervt. Umso faszinierter bin ich von – leider seltenen – Menschen, die immer friedlich, geduldig sind und eine Liebe ausstrahlen, die einen den Atem raubt.

Davon handelt für mich das Lied “Bliss” von Muse.

“Everything about you is how I’d want to be”

Ein eindeutiger, aber dadurch nicht minder starker Satz: Der Sprecher möchte so werden wie die bewunderte Person.

“Your freedom comes naturally”

Von welcher Freiheit ist die Rede? Für mich bedeutet sie ein Zustand, den nur wenige wohl erreichen: die Freiheit davon anderen zu gefallen. Diese Person lebt aus sich selbst heraus, ohne sich um die Meinung anderer zu kümmern, aber nicht aus Ignoranz oder Arroganz heraus, sondern weil sie ihrer innere Stärke aus lebt.

“Everything about you resonates happiness”

Klarer Fall: alles, was diese Person tut, macht glücklich. Vor allem andere.

“Now I won’t settle for less”

Gesungen mit einem leicht aggressiven, drängenden Unterton. Der Erzähler will sich mit nichts weniger als diesem Glück der anderen Person zufrieden geben. Er will es haben.

“Give me  all the peace and joy in your mind”

Für mich klingt hier auch Verzweiflung durch. So als wüsste er, dass er diesen Frieden und diese Freude nie erreichen kann.

“Everything about you pains my envying”

Jetzt wird’s noch düsterer. Alles an der bewunderten Person, ruft Neid hervor, der wehtut. Bis hin zu Hass.

“Your soul can’t hate anything”

Auch das noch! Nun fühlt sich der Sprecher noch minderwertiger.

“Everything about you is so easy to love”

Man möchte den Boden küssen, auf denen diese Menschen gegangen sind.

“They’re watching you from above”

Das ist die Zeile, die mich in Grübeln brachte, ob hinter dem Lied nicht doch noch eine religiöse Bedeutung steckt. Wer sind “sie”? Und warum beobachten sie diese engelsgleiche Person von oben? Noch ein Hinweis: “Judgement from above”, zu gut Deutsch: Die Strafe Gottes.

So könnte es also in dem Lied um einen Heiligen gehen: Unbescholten, voller Rückhalt, heiter in Gemüt, in Gedanken und Taten, alle Menschen liebend.

Aber was sagen andere Leute zu „Bliss“? Auf songmeanings.net schreibt mejoff:  “I’ve always heard this song (especially in the context of the video) as the thoughts of a Miltonian Satan on Humanity. […] something about how the word ‚they‘ feels in this line is loaded with so much hatred, like the hatred Satan feels for the loyal angels above”

User floozy schreibt: “I saw an interview in which matt bellamy said that this song is about loving somebody just for who they are and not wanting anything in return.” 

Aber ob das so wahr ist? Nichts zurück haben wollen? Ich finde, dafür ist der Song zu fordernd, drängend: “GIVE me all the peace and joy in your mind”

Wahrscheinlich wollte Matt Bellamy nicht mit der wahren Bedeutung rausrücken, was ja als Künstler sein gutes Recht ist.

Was meint ihr? Warum geht es in Bliss (für euch)?

 

29 Jahre Einsamkeit

„Slow Show“ von „The National“, zu hören auf „Boxer“ (2007)

Ach ja, die Liebe. Über nichts in der Welt werden so viele Lieder gesungen. Leider nicht immer Gute.

Aber heute will ich euch einer meiner absoluten Lieblingsliebeslieder vorstellen: Slow Show, von der US-amerikanischen Band „The National“. Darin: Mit die schönsten Zeilen über die Liebe, die je geschrieben wurden.

Das Lied ist einfach hinreißend und verfehlt es niemals, mich glücklich zu machen. Aber sehen wir uns den Text mal näher an.

“Standing at the punch table, swallowing punch. Can’t pay attention to the sound of anyone.”

Wir haben es mit einem sehr nervösen Erzähler zu tun, der ziemlich viel einstecken muss. Wahrscheinlich im metaphorischen Sinn.

“A little more stupid, a little more scared. Every minute, more unprepared.”

Hier spricht jemand, der sich äußerst unwohl fühlt in Gesellschaft: unsicher, ängstlich und kaum fähig zu handeln.

“I made a mistake in my life today. Everything I love gets lost in the drawers”

Welchen Fehler hat der Erzähler gemacht? Das bleibt offen. Und: Alles, was er liebt, ist in Schubladen verloren gegangen? Ziemlich rätselhaft. Vielleicht hat ,drawers‘ ja noch eine andere Bedeutung, die sich mir nicht erschließt?

“I want to start over, I want to be winning. Way out of sync from the beginning”

Alles in ihm schreit nach Veränderung, einem Neustart.

“I wanna hurry home to you. Put on a slow, dumb show for you and crack you up”

Hier gewinnen die Musik und der Gesang an Kraft. Der Erzähler möchte Heim laufen zu seinem geliebten Menschen und diesen mit seinen Albernheiten zum Lachen bringen.

“So you can put a blue ribbon on my brain. God, I’m very, very frightened, I’ll overdo it”

Schon wieder ein rätselhaftes Bild: Warum lässt sich der Erzähler eine blaue Schleife um seinen Kopf (Gehirn?) binden? Möglicherweise ist es ein Symbol der Huldigung, der Krönung. Die blaue Schleife macht ihn zum Teil der normalen Menschen. So ähnlich sieht es auch crookedlegs auf songmeanings.net: “He’s awkward and desperately wants approval from the person he’s in love with (to give him a ‚blue ribbon‘).”

Aber warum ist er dann so verängstigt? Vielleicht, weil er sich zum ersten Mal auf jemanden mit Haut und Haaren einlässt. Das macht ängstlich und verletzbar.

„Looking for somewhere to stand and stay. I leaned on the wall and the wall leaned away”

Ein schönes Bild mit etwa derselben Bedeutung von “Unter mir wankt der Boden”. Der Erzähler ist verliebt.

“Can I get a minute of not being nervous. And not thinking of my dick?”

Und zwar so richtig verliebt. Und scharf wie Schmidts Katze.  Gleichzeitig scheint er etwas gequält von seinen sexuellen Gedanken.

“My leg is sparkles, my leg is pins. I better get my shit together, better gather my shit in”

Seine Beine sind butterweich, und ihm wird klar, dass er sich zusammenreißen muss. In diesem Moment, aber auch generell im Leben.

“You could drive a car through my head in five minutes. From one side of it to the other”

Dieses Bild ist mir schleierhaft. Vielleicht symbolisiert es die Leere in seinem Kopf?

Bis hierhin zeichnet das Lied das Bild eines ängstlichen, unsicheren Menschens, der wahrscheinlich zum ersten Mal richtig verliebt ist und von zig Ängsten geplagt wird. Doch als das Piano einsetzt, endet der nervöse Rhythmus und das Lied wird kristallklar.

“You know I dreamed about you.
For twenty-nine years before I saw you.
You know I dreamed about you.
I missed you for, for twenty-nine years”

Schöner kann eine Liebeserklärung nicht klingen. Er legt seine Zweifel und Ängste ab und erkennt, dass sie alles ist, wovon er sein gesamtes Leben geträumt hat. Oder wie hearditthere auf Songmeanings.net sagt: „It’s how The National says ,You complete me.’”