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Neu entdeckt: Die Lieferanten – Schabernacksoul mit doppeltem Boden

Als ersten Beitrag im neuen Jahr möchte ich euch eine junge Band aus Münster vorstellen: Die Lieferanten. Was sie euch liefern? Außergewöhnliche, deutschsprachige Musik mit cleveren Texten, die sich nicht so leicht in eine Schublade stecken lässt, und die die Musiker selbst als Schabernacksoul bezeichnen. Was dahinter steckt und warum Rassisten und Interkulturalitäts-Gegner ihrer Meinung nach einfach mal im Mondschein tanzen sollten, erzählen zwei der Bandmitglieder, Lukas und Moritz, im Interview.

Die Lieferanten, das sind Moritz, Aaron, Jonas und Lukas. Gegründet haben sie die Band im September 2016, seitdem nennen sie zwei EPs ihr eigen: „Eine Frage der Begeisterung“ (2017) und „Alles was du hast“ (2018). Zu hören gibt’s ihre Musik auf Spotify, Bandcamp oder Youtube (die Links findet ihr am Ende des Interviews). Ihre Musik besitzt gehöriges Ohrwurm-Potential, und die Lyrics sind sorgsam getextet und schmiegen sich gekonnt an die Musik. Alles weitere erzählen sie am besten selbst:

Warum nennt ihr euch eigentlich Die Lieferanten?

Lukas: Der Name war ein spontaner Einfall, als wir nach einer Bandprobe zusammen essen waren. Uns gefielen die Wortspiele, die man mit dem Namen betreiben kann und so blieb es bei dem Namen. Außerdem klingt der Name so schön stumpf und banal und kann doch vielschichtig verstanden werden.

Wie ist eure Entstehungsgeschichte, wie habt ihr als Band zusammengefunden?

Lukas: Ist an sich keine spannende Geschichte. Wir hatten alle Bock auf ein Bandprojekt und haben uns über mehrere Ecken kennengelernt. Aus der Lust heraus, Musik zu machen, sind wir zusammengekommen und das hat dann die sweete Gang hervorgebracht.  

Gestatten, Die Lieferanten (v.l.): Moritz (Gitarre und Gesang), Jonas (Piano und Backing Vocals), Lukas (Schlagzeug) und Aaron (Bass und Backing Vocals). © Jan-Lucas Huesing

Ihr bezeichnet eure Musik als Schabernacksoul warum und was steckt da dahinter?

Lukas: Im Grunde eine Mischung aus Funk/Indie/Pop mit Augenzwinkern. Unsere Musik geht nur an ein paar Stellen in die Richtung Soul, aber Schabernacksoul klingt halt einfach gut (lacht). Manche Songs wie “Verschwommen” [auf „Eine Frage der Begeisterung“ zu hören] meinen wir sehr ernst und das ist uns zu wichtig, um einen Spaß zu machen. Aber bei allem anderen achten wir vor allem lyrisch darauf, einen doppelten Boden, Überspitzungen oder Unsinn einzubauen. Allein schon unser Bandname soll selbstironisch verstanden werden und trotzdem steht er auch dafür, dass heutzutage alles anonymer wird, die Menschen sich alles überall hinliefern lassen und sich gegenseitig zu oft egal sind. Aber wir liefern halt auch ab (lacht).

Moritz, als Sänger und Gitarrist schreibst du die Texte für die Songs. Wie viel Persönliches steckt in ihnen?

Moritz: Mal mehr, mal weniger. Oft gibt es eine persönliche Erfahrung oder etwas, das mich beschäftigt, den Anstoß. Aber meistens schmücke ich es dann im Schreibprozess weiter aus und entfremde es wieder. Der Kern ist aber eigentlich immer ein persönliches Gefühl.

Wie viel Überwindung braucht es, sich selbst so offen zu legen? Ich könnte mir vorstellen, gar nicht so wenig. 😉

Moritz: Hm, es geht. Da ich oft etwas kryptischer schreibe und selbst der Rest der Band nicht alles auf Anhieb versteht, kann man sich auf jeden Fall relativ gut dahinter verstecken. Klar thematisiere und besinge ich das, was mich selbst beschäftigt und man weiß ungefähr, über was ich mir Gedanken mache. Aber die sind wirr genug, um nicht gläsern dazustehen (lacht).

Die Lieferanten sind eine junge Band aus Münster mit ganz viel Spielfreude und Mut zu einem eigenen musikalischen Stil. © Anna-Lisa Konrad

Der Song „Optikknick“ auf der EP „Eine Frage der Begeisterung“ geht in ein Cover des Songs „Dancing in the moonlight“ über wie kam es zu dieser Idee? Gefällt mir übrigens sehr gut!

Moritz: „Optikknick“ soll als Song den unbewussten Rechtsruck vieler Menschen thematisieren. Dass viele Menschen aus Bequemlichkeit und Angst vor dem Fremden zu Stammtischparolen oder Aussagen und Handlungen tendieren, die eigentlich aus dem rechten Milieu kommen, macht mich wütend. Deshalb habe ich den sarkastischen Text von Optikknick geschrieben. Beim Proben ist uns dann aufgefallen, dass die Harmonien des Endteils zufällig auch die gleichen wie in „Dancing in the Moonlight“ sind. Das fanden wir sehr lustig und passend, weil es das neckische Sahnehäubchen der Aussage ist. Wer möchte sich nicht vorstellen, wie ein bunter Haufen aus Rassisten und Interkulturalitäts-Entsagern mit allen anderen im Mondschein tanzt (lacht). Im Grunde ist es auch die Formulierung einer Wunschvorstellung.

Was sind eure Pläne für 2019, neben der Tour? Plant ihr ein Album?

Lukas: Ein Album kostet leider viiiiieeeel zu viel Geld. Das können wir uns momentan nicht leisten. Wir schreiben fleißig Songs und hoffen auf weitere Festivalzusagen. Vielleicht haben wir auch Glück und treffen Leute, die unsere Musik gut finden und die nötigen Mittel und Kontakte haben, um mehr möglich zu machen. Aber momentan freuen wir uns einfach auf die Tour und sind heiß darauf, wieder live spielen zu können. Das ist auf jeden Fall gerade die Hauptmotivation!

Vielen Dank für das Interview und alles Gute und viel Erfolg euch weiterhin!

Hier könnt ihr Die Lieferanten 2019 live erleben:

23.02. Leipzig / Flower Power 
24.02. Berlin / Auster Club 
02.03. Mannheim / Peer 23
07.03. Gronau / Rock’n’Popmuseum
08.03. Münster / Sputnik Café 
09.03. Bremen / Karton
13.03. Nordhorn / Alte Weberei
14.03. Paderborn / Wohlsein
16.03. Hamburg / Marias Ballroom
20.03. Köln / Tsunami Club
23.03. Marburg / Q

Die Band ist außerdem auf so manchen Kanälen unterwegs, folgt Ihnen, um nix mehr zu verpassen:

www.dielieferanten.com
Facebook
Instagram
Youtube
Spotify
Bandcamp

Und hier das offizielle Video zu dem Song „Alles, was du has(s)t“:

Titelbild: © Anna-Lisa Konrad

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