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Wie Tag und Nacht: Minnie Birch und Entertainment for the Braindead

Mehr Frauen braucht mein Blog – das war mein eigener Anspruch vor einer Weile. Es hat etwas gedauert, aber nun möchte ich euch endlich gleich zwei Künstlerinnen ans Herz legen: „Minnie Birch“ und „Entertainment for the Braindead“. Beide Musikerinnen habe ich vor kurzem auf einem Wohnzimmerkonzert in Darmstadt erleben können.

Ursprünglich sollten die beiden in der Goldenen Krone Darmstadt auftreten, aber letztendlich wurde das Konzert als greyskysession in eine Privatwohnung verlegt. Insofern schade, als dass den beiden damit ein noch größeres Publikum verwehrt blieb, das sie auf jeden Fall verdient hätten. Aber ein Wohnzimmerkonzert hat natürlich seinen ganz eigenen Charme, die Stimmung und Atmosphäre waren toll, es gab Snacks, Getränke und die Gelegenheit für einen Plausch mit den beiden Musikerinnen.

Den Anfang machte die Engländerin Minnie Birch aus der Grafschaft Hertfortshire. Nur mit einer Gitarre bewaffnet und stark erkältet, verzückte sie trotzdem alle mit ihrer zuckersüßen Stimme und Songs über das Leben. Ihre Stimme klingt wie ein tagheller Lichtstrahl, aber ihre Texte lassen auch einige Schatten vermuten.

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Sängerin und Songwriterin Minnie Birch aus Großbritannien. © artist own

Beim Konzert erzählt Minnie Birch, dass sie in einem Männergefängnis mit Häftlingen zusammen arbeite, die durch Musik zu mehr Selbstbewusstsein  finden sollen. „Schreibst du einen Song über mich?“, frage sie einer der Häftlinge regelmäßig. Ihre Antwort sei immer die gleiche. „Nein“, erzählt sie augenzwinkernd. Dabei hat sie es längst getan. Der Song Toil erzählt über ihn, den sie dann auch spielt.
Minnie Birch ist seit 2011 als Solokünstlerin unterwegs. Sie hat bis dato zwei Alben veröffentlicht, Floundering (2015) und Tethering (2017). Das sehr schöne Artwork auf ihren CDs stammt übrigens aus der Feder ihres Vaters. Er hat zu jedem ihrer Lieder eine fantastische Zeichnung gemalt. 
Die wunderschönen Songs von Minnie Birch sind auf Bandcamp und teilweise auch auf Spotify zu hören. Meine Anspieltipps: Lo and Behold, Ta-ra,  Burning Fire und John Barleycorn.

Nach Minnie Birch trat Entertainment for the Braindead ans Mikro. Der Name klingt zuerst schwer nach Hardcore-Kombo, aber dahinter verbirgt sich die Solokünstlerin Julia aus Berlin. Wie Minnie Birch sind die leisen Töne ihr Metier. Mithilfe eines Loopsamplers webt sie in ihren Songs aus Klängen einen sphärischen, mitunter dunklen Soundteppich, schichtet Instrumentalspuren zu Arrangements und singt letztendlich mit sich selbst im Chor. „Die Band für sozial Inkompetente“, nennt Julia ihren Loopsampler scherzhaft und erzählt: „Ich habe früher im Chor gesungen. Leider bin ich noch nicht berühmt genug, um mit meinem eignen Chor zu touren, deshalb so. Vielleicht bei der nächsten Tour“, sagt sie lachend. Aus ihrer Chorzeit stammt auch ihr Faible für alte Volkslieder. Bei der greyskysession startet sie mit einer Vertonung des Volksliedes „Ich habe die Nacht geträumet“ aus dem 18. Jahrhundert. Nach der letzten Zeile „Ach Liebster, bist du tot?“ bleibt das Darmstädter Publikum atem- und sprachlos zurück.

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Julia ist Entertainment for the Braindead © Julia Kotowski

2017 erschien ihre EP „Sun“ mit acht außergewöhnlichen Songs. Sie brauchen Zeit und Muße, um sie zu entdecken und eignen sich nicht als musikalisches Fastfood für zwischendurch. Sie sind für die bewusst gewählten leisen Momente im Leben.
Julias Texte sind akustisch nicht immer gut zu verstehen. Aber wer mehr über sie wissen möchte, sollte näher hinhören. Auf der Seite detektor.fm erzählt sie über die Themen ihrer Songs:  „Persönliche Überlegungen und Erfahrungen. Ich versuche es nicht zu plakativ zu machen. Aber wenn man genau hinhört, mache ich mich in den Texten ziemlich nackig. Egozentrischer Kram letzten Endes.“

Meine Anspieltipps (Spotify oder Bandcamp): Your Knife, Gamble, Sugar und Sun

Titelbild:

© Julia Kotowski

 

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