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Neu entdeckt: Eels & Escalators – „Den inspirativen Wust in einen eigenen Stil gießen“

Wo kommt ihr her, was treibt euch an, wo wollt ihr hin? Die Antworten auf diese Fragen interessieren mich bei Bands besonders. Die junge Band Eels & Escalators aus Bochum hat sich meinen neugierigen Fragen gestellt. Die Alternative-Band ist seit 2014 aktiv und überzeugt mit reifen Songs mit Tiefgang. Erfahrt im Interview, was sie in ihrem Schaffen antreibt und woher ihr ungewöhnlicher Name kommt. Kleiner Tipp: SpongeBob-Fans werden aufhorchen.

Eels & Escalators, das sind Tyrone (Gitarre, Gesang), Jannik (Gitarre, Gesang), Dario (Bass) und Leon (Schlagzeug), alle 22 Jahre jung. Ihr musikalisches Portfolio bisher: Das Demo-Album „Figures of rain“ (2015) und die EP „Heat Devil/Deep Beneath The Sea“ (2018). Tyrone und Jannik kennen sich seit der Schule und machen seit rund zehn Jahren zusammen Musik. Die Band in der jetzigen Konstellation gibt es seit 2016. Nachdem Bassist und Schlagzeuger die Band verlassen hatten, lernten sie über befreundete Musiker schnell Dario kennen, der wiederum Leon in die Band holte. Eels & Escalators, wie die Fans sie heute kennen, war geboren. Aber wie hat eigentlich alles begonnen?

Erzählt doch mal, wie kommt man dazu zu sagen: Kommt, lasst uns eine Band gründen und versuchen mit dieser erfolgreich zu werden? 

Jannik: Am Anfang waren da eigentlich nur Tyrone und ich, wir haben schon vorher immer wieder aus Spaß kleinere Demos aufgenommen und ein bisschen gejamt. Kurz vor dem Abi haben wir mit zwei Freunden zusammen eine kleine Cover-Band gehabt, nach der Schule haben sich unsere Wege allerdings getrennt. Tyrone hatte seit Längerem die Idee, eine richtige Band zu gründen und eigene Ideen zu entwickeln. Und wir beide haben so viel Musik gehört und sie war uns so wichtig, dass wir einfach Lust hatten, etwas Eigenes zu starten. Zusammen haben wir uns an der Uni in Bochum nach Musikern umgehört und sind schnell an einen Bassisten gekommen, und etwas später war auch ein Schlagzeuger dabei.
Dabei ist es für uns am wichtigsten gewesen, Menschen mit unseren Songs zu erreichen und zu berühren. Dass wir jetzt Konzerte spielen und uns Leute danach ihre Emotionen und Eindrücke schildern, die auch wissen wollen, wo man unsere Musik finden kann, ist für uns ein Zeichen, dass wir auf einem sehr guten Weg sind.

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Eels & Escalators: Tyrone, Dario, Jannik und Leon. © Susanne Becker (www.derpapierplanet.de)

Für Leute, die eure Musik noch nicht kennen: Wie würdet ihr den Stil eurer Musik beschreiben?

Tyrone: Das Genre, dem wir uns zuordnen, ist am ehesten „Alternative“. Was ja zunächst einmal alles sein kann. Eine Genrevielfalt ist von uns aber explizit gewollt, da wir individuell die unterschiedlichste Musik hören. Wir wollen unsere Musik deshalb facettenreich halten und arbeiten ständig daran, für uns aus diesem ganzen inspirativen Wust einen eigenen Stil zu gießen. Das gelingt uns immer besser. Am ehesten beschreiben kann man unsere Musik als atmosphärisch und melancholisch, vielleicht sogar als getragen. Wir versuchen, Text und Musik eng miteinander zu verweben und dadurch eine dichte Atmosphäre zu schaffen und Bilder zu erzeugen. „Alternative“ sind wir vor allem in dem Sinne, dass wir gerne überraschen und aus gängigen Mustern herausbrechen.

Eure EP mit den Songs „Heat Devil“ und „Deep beneath the sea“ unterscheidet sich merklich von dem Demo-Album „Figures of Rain“, finde ich. Die Songs sind schwerer, melancholischer, elegischer. Schlagt ihr nun mehr diesen Stil ein?

Dario: Ja, wir würden diese Richtung gerne weiter verfolgen, uns aber auch wieder neu erfinden. In unserem aktuellen Schreibprozess versuchen wir uns an vielen anderen Musikrichtungen, um diese Stimmung einzufangen. Zum Beispiel arbeiten wir gerade an ein paar Ideen, die ein bisschen jazziger angehaucht sind.

Ihr beschreibt selbst eure Texte als meist melancholisch – was sind denn die Themen eurer Songs? Woher nehmt ihr eure Inspiration? Ist es denn leichter traurige als fröhliche Songs zu schreiben?

Jannik: Der Großteil der Songs dreht sich um schwere und traurige Lebenssituationen – Verluste, ungesagte Dinge, das Ende von Freundschaften oder Beziehungen –, deren Kern immer irgendwo in unserer eigenen Erfahrung liegt. Die Frage, ob es leichter fällt, diese Themen zu behandeln, ist interessant! Musik wird immer getragen von eigenen Gedanken und Gefühlen. Wir nehmen gern eine Narrative ein und arbeiten mit unserer eigenen Haltung und Erlebtem. Manchmal, um uns selbst ein bisschen besser zu verstehen. Tendenziell gehen uns von anderen Bands, die uns inspirieren, vor allem traurige Songs nahe. Es ist diese nachdenkliche und schwermütige Stimmung, in der wir uns gut wiederfinden können und wohlfühlen. Wir schreiben aber auch an Songs mit positiver Thematik und probieren immer wieder neue Ansätze aus.

„Eels and Escalators“ – ist der Name etwa einer Spongebob-Szene entnommen? (Anmerkung: SpongeBob und Patrick spielen in der Serie ein Spiel mit ebendiesem Namen; einfach mal bei Youtube eingeben)

Tyrone: Die Kurzfassung: Ja, ist er (lacht). Die lange: Der Bandname ist tatsächlich einer Kinderserie entnommen. Wir haben uns Anfangs sehr schwergetan, einen passenden Namen zu finden und sind nicht wirklich weitergekommen. Auch gerade deshalb, weil wir uns nicht auf ein Genre festsetzen konnten. Jannik und ich ist dann diese aus unserer Kindheit oft zitierte Szene aus SpongeBob in den Sinn gekommen. Wir fanden, der Name hat eine interpretationsbedürftige Offenheit und klingt auch cool – und ein wenig bescheuert. Wir nehmen uns nicht immer ernst, das hat uns gefallen. Als Kind ist man stark an seine eigene Vorstellungskraft gebunden und passt sich in seiner Kreativität keinen Konventionen oder den Erwartungen Anderer an. Das versuchen wir bis heute in unser Schaffen zu tragen. Der Verweis auf unsere Kindheit hat uns deshalb gut gefallen.

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© Kevin Haake

Sicher hat jeder von euch eine musikalische Vergangenheit – wie fing es an, wie habt ihr eure Leidenschaft für Musik entdeckt?

Jannik: Mein Vater hat mich auf die Gitarre gebracht, sodass ich mit zehn Jahren auch angefangen habe, das Instrument zu lernen. Angefangen habe ich mit klassischer Gitarre. Eine richtige Leidenschaft für Rock und Bands habe ich erst entwickelt, als ich durch meine Eltern auf die Musik ihrer Generation aufmerksam wurde, vor allem die großen Bands der 60er- und 70er-Jahre – die Beatles, Pink Floyd, The Who. Von da ausgehend habe ich meinen eigenen Musikgeschmack entwickelt, der auch wesentlich durch meine engsten Freunde geprägt ist, die ähnlich begeistert waren wie ich. Ich mag an Musik vor allem das Außergewöhnliche und Individuelle. Das heißt, dass ich zum Beispiel ungewöhnlichen Stimmen wie der von Bob Dylan, Bryan Ferry (Roxy Music) oder Kristian Matsson (The Tallest Man On Earth) wahnsinnig gerne zuhöre, weil mich diese rohe, direkte Emotion total berührt. Ich möchte genau solche Musik machen, die echt ist. Bei der man sich nicht zu sehr auf die Technik oder einen möglichst reinen und klaren Klang versteift, sondern das Gefühl im Vordergrund steht.

Tyrone: Bei mir war das ganz ähnlich. Mein Vater hat sich das Gitarrespielen selbst beigebracht und mir und meinem Bruder irgendwann die Basics vermittelt. Ich habe danach sehr viel autonom an meiner Wahrnehmung von Musik und meiner kompositorischen Selbstfindung gearbeitet. Dabei stand vielmehr der Schaffensdrang im Vordergrund als das tatsächlich Beherrschen des Instruments. Am meisten habe ich es geliebt, auf der Akustikgitarre eigene Ideen zu entwickeln. Vordergründig wollte ich etwas Eigenes an die Oberfläche bringen, um genau das in mir zu finden, in das ich mich bei anderen Musikern so verguckt hatte. Das ist heute nicht anders. Die Beatles haben da vor allem bei mir “Klick“ gemacht und meine Vision, was eine Band genau sein soll, nachhaltig beeinflusst. Ich glaube, für viele Musiker unserer Generation gilt, dass uns unsere Eltern musikalisch geprägt haben. Früher galt Musik, vor allem das Wilde, Schrankenlose und Ungehemmte daran, als Abgrenzungsmöglichkeit. Heute ist das generationsübergreifend harmonischer. Das finde ich fast ein bisschen schade, Rebellion lohnt sich nicht mehr. Das mag seltsam klingen, aber gerade die Musikgeschichte hat gezeigt, dass Musik einen eigenen Geist und eine eigene kreative Jugendbewegung mit frischen Ideen heraufbeschwören kann. Ich habe zur Abgrenzung in meiner Jugend sehr seltsames japanisches Zeug gehört.
Für mich verliert Musik leider oft ihre Sogkraft und Magie, wenn man zu verkopft an sie herangeht. Dann tritt das Gefühl zu sehr in den Hintergrund. Ich sehe mich da eher als impulsiv und intuitiv. Zum Beispiel lasse ich mich viel von Soundtracks inspirieren, weil sie dafür gemacht sind, die emotionale Intensität von Bildern zu verstärken. Bilder in den Köpfen der Zuhörer malen – das möchte ich auch. 

Dario: Ich habe mir zu meinem 16. Geburtstag einen E-Bass gekauft, da zwei Schulfreunde – einer davon war Leon – Lust hatten zusammen zu musizieren. Das haben wir eine Weile bei dem Schulfreund zu Hause gemacht, bis sich vermehrt Anwohner über die Lautstärke beschwert haben. Ich habe danach die meiste Zeit in meinem Kämmerchen für mich gespielt, was aber als Bassist nicht sooo spannend ist. Deswegen habe ich immer mal wieder in teils grauenhaften Bands ein paar Proben lang gespielt, aber stilistisch kamen wir nie zusammen. Deswegen war ich sehr froh, als ich über einen Freund erfuhr, dass Jannik und Tyrone einen Bassisten suchen. Ihre Musik gefiel mir gut und die beiden waren mir auf Anhieb sympathisch, was ungemein wichtig ist, wenn man zusammen Musik machen will. Leon kam dann noch hinzu, nachdem ich ihn ungefähr zwanzigmal gefragt hatte, ob er Bock darauf hätte (lacht). Jetzt ist er, glaub ich, aber sehr zufrieden, sich dafür entschieden zu haben, und wir vier haben bei jeder Probe viel zu lachen, was ein gutes Zeichen für unsere Bandchemie ist!

Leon: Mein Vater ist Musiker, mittlerweile sogar hauptberuflich, dadurch kam die Musik schon sehr früh in mein Leben. So wirklich habe ich mich mit Musik allerdings erst im Jugendalter, ich glaube mit 14 oder 15 Jahren, beschäftigt. Ein gemeinsamer Freund von Dario und mir hatte damals Gitarre gespielt und wir meinten, es wäre ganz lustig zusammen zu spielen. Daraufhin haben wir uns für unsere jeweiligen Instrumente entschieden.

Gibt es schon Pläne für euer zweites Album?

Jannik: Ja! Wir haben schon vergangenes Jahr sehr viele neue Songs gespielt, die wir noch nicht aufgenommen haben und befinden uns gerade in einer Schreibphase. Es gibt einige Ideen, an denen wir herumbasteln. Der Plan ist es, noch in diesem Jahr ein neues Album aufzunehmen.

Wo und wann seid ihr 2018 live zu sehen?

Tyrone: Bisher haben wir nur ein Datum, das wir bekannt geben können: Wir spielen am 10. Juni auf dem Stadtfest in Bochum-Langendreer. Es werden aber definitiv noch mehr Konzerte dazu kommen!

Vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg! 🙂

Titelbild: © Susanne Becker (www.derpapierplanet.de)

Hier findet ihr Eels & Escalators:

www.eelsandescalators.de
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2 Kommentare zu „Neu entdeckt: Eels & Escalators – „Den inspirativen Wust in einen eigenen Stil gießen“

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