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Schaurig-schön: Die Netflix-Serie „Dark“ und ihr dunkler Soundtrack

Habt ihr auch manchmal den Eindruck, in Sachen Serien könnte euch nichts mehr überraschen? Dann schaut euch „Dark“ an! Die Serie überrascht auf dreierlei Weise: 1. Mit einer schwindelerregenden Story. 2. Der Abwesenheit von hölzerner deutscher Schauspielkunst. 3. Mit einem düsteren Soundtrack abseits des Mainstream. [Achtung, kleine Spoiler möglich]

Ok, da war er wieder: Der Moment, wenn man eine Serie beendet, und plötzlich nichts mehr anzufangen weiß mit seinem Leben. Zu intensiv, zu fesselnd hat die erste deutsche Netflix-Serie „Dark“ über die Weihnachtsfeiertage ihren Sog entfalten, sodass wir nicht aufhören konnten, sie zu schauen.

Und darum geht’s: Jonas (Louis Hofmann) lebt in einer gottverlassenen Kleinstadt namens Winden, mitten im Wald gelegen, unweit von einem Kernkraftwerk. Sein Vater hat vor kurzem Selbstmord begangen, doch nach einem Aufenthalt in der Psychiatrie versucht Jonas ein normales Leben aufzunehmen. Als er zurück in die Schule kehrt, erfährt er, dass seit Wochen ein Junge vermisst wird. Und es dauert nicht lange und der nächste Junge verschwindet…

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Jonas (Markenzeichen gelbe Regenjacke) sieht sich bald mit mysteriösen Ereignissen konfrontiert. © Netflix

Selten eine Serie gesehen, in der es so brutal aus Kübeln schüttet – und warum treiben sich eigentlich alle immer im Wald rum? Das ist natürlich Kalkül, aber ein so clever überlegtes, dass ich über diese Klischees locker hinwegsehe. Seit „Westworld“ hat mich keine Serie mehr so schwindelig gemacht – schuld sind die vielen Zeitsprüngen, die nach und nach geschickt zu einem einheitlichen Ganzen verknüpft werden. (Nur hier und da werden Erzählstränge aufgemacht, die sich im Leeren verlieren.) Das braucht etwas Geduld aufseiten des Zuschauers und permanentes Mitdenken – aber genau das macht so viel Spaß!

Die eigentliche Stärke der Serie liegt aber nicht nur in der cleveren Story, sondern vor allem in den Charakteren. Nahezu jeder ist dreidimensional gezeichnet, es gibt keine Guten, keine Bösen. Was zunächst nach einer Klischeekonstellation aussieht (zum Beispiel die Affäre, der betrügerische Ehemann und die betrogene Ehefrau oder der gutherzige Protagonist, der coole beste Freund und seine hübsche Freundin, in die Ersterer verliebt ist) entwickelt sich ganz anders, als man es am Anfang vermuten konnte.

Ebenfalls wohltuend: die typisch deutsche hölzerne Schauspielkunst, die sich im Tatort oder anderen deutschen Serien so gern zeigt, gibt es bei „Dark“ nur an wenigen Stellen. Hier hat Netflix offenbar die Szenen so oft wiederholen lassen, bis sie sitzen.

Der Soundtrack von „Dark“ besteht aus Songs aus der heutigen Zeit, aus den 80er- und 50er-Jahren, eben weil die Serie in diesen drei Jahrzehnten spielt. Während die modernen Songs eher düster, melancholisch sind, fehlen aus den 80er-Jahren nicht die typischen Kracher wie „Irgendwie, irgendwann, irgendwo“ von Nena oder „You spin me round (Like a record)“ von Dead or Alive. Hinzu gesellen sich 50er-Jahre Schlager, die die unheilvolle Stimmung mit Lyrics wie „Es wird ja alles wieder gut“ durchbrechen.

Besonders beeindruckend ist aber die düstere Instrumental-Musik der Serie, der es nach dem Prinzip der Mood-Technik exzellent gelingt, die dunklen trostlosen Bilder zu verstärken.

Habt ihr „Dark“ schon gesehen? Wie findet ihr die Serie?

Anspieltipps:

  • „Goodbye“ von Apparat
  • „Familiar“ von Agnes Obel
  • „Keep the streets empty for me“ von Fever ray
  • „Me and the devil“ von Soap & Skin
  • „Enter one“ von Sol Seppy
  • „A quiet life“ von Teho Teardo und Blixa Bargeld

 

4 Kommentare zu „Schaurig-schön: Die Netflix-Serie „Dark“ und ihr dunkler Soundtrack

  1. So.. haben jetzt die ersten zweieinhalb Folgen gesehen und ich finde die Serie bisher ganz furchtbar xD Ein Klischee jagt das andere und auch wenn die Songsauswahl gut ist und die Ästhetik überzeugt, finde ich Soundelemente, Dialoge und die Idee bisher völlig Klischeeüberladen und over the top. Die Dialoge sind typisch schlechtes deutsches Fernsehen und bei jeder geheimnisvollen Tür kommt ein übertriebenes Brummen und man weiß genau: da ist eh wieder nichts hinter.
    Ich werde mir deine Songauswahl trotzdem morgen Mal anhören, weil die ist echt gut. Aber Serien-Feeling kommt bei mir leider gar nicht hoch. Versteh echt null den Hype darum, außer vll den Hype über die Schauspielkunst Protagonist. Schade daß seine Rolle so einfallslos ist.

    1. Oh, wow, ein hartes Urteil. 😀 Interessant, wie unterschiedlich Wahrnehmungen sein können. Mich haben diese Klischees überhaupt nicht so gestört, ich habe sie zwar auch als solche erkannt, aber vielleicht lasse ich mich einfach von sowas leichter einfangen? 😀 Und wie ich geschrieben habe, werden später einige Klischee gebrochen oder machen aus späterer Sicht Sinn (z.B, geheimnisvoller Mann mit Kapuze aus dem Wald).
      Wirst du weiterschauen? Vielleicht kann sie dich ja noch überzeugen (obwohl ich nicht so hoffnungsvoll bin 😉 ). Bei den ersten zwei Folgen war ich auch so: Und, wo führt das jetzt hin?
      (Welche Serien kannst du denn empfehlen? Bin aktuell wieder auf der Suche und brauch neuen Stoff :D)

      1. Wahrscheinlich habe ich hier auch nur so abgelästert, weil ich insgeheim gehofft habt, dass du sagst: „guck weiter, das wird noch gut!“ Ich weiß nämlich auch noch nicht, was ich danach gucken will, haha 😀
        Haben jetzt Mindhunter gesehen. War zwar auch ein bisschen: hä, wo führt das jetzt hin? Aber hat trotzdem gut gefallen. Ist von meinem Lieblingsregisseur David Fincher, auch auf Netflix.
        Ich gucke nebenher auch noch new Girl komplett. Das ist zum Schreien lustig xD

  2. Und, hast du Dark nochmal eine Chance gegeben? 🙂
    Mindhunter werd‘ ich mir mal anschauen; von New Girl hab‘ ich die ersten beiden Folgen gesehen, fand es aber nur so lala. Konnte ich leider nicht viel mit anfangen…
    Gestern hatten wir einen krassen Fall von Binge-Watching: Haben „The end of the fucking world“ in einem Rutsch geschaut. Großartig!!
    Gibt’s auch auf Netflix.

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