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Johnny Flynn – Der „Posterboy of nu folk“ (The Times)

Kennt ihr das auch? Produkte mit vielen Bewertungen ziehen eure Aufmerksamkeit magisch an, während ihr solche ohne nicht mal mit dem Hintern anguckt? So in etwa funktioniert das manchmal auch mit Männern, ähm…Musikern.

Johnny Flynn (*1983) kam mir das erste Mal bei der Serie „Lovesick“ unter die Augen. Die ganzen zwei Staffeln konnte ich mich nicht entscheiden, ob er gut aussieht oder nicht (Derjenige mag den ersten Stein werfen, der noch nie vor solch schwierigen Fragen stand ;-P). Bis mir jemand so sehr von ihm vorschwärmte, das ich nochmals hinschaute. Ok, ja, langsam sah ich, was sie meinte. Also schnell mal den Namen in die Suchmaschine eingehackt, um mehr über ihren „Mister Perfect“ zu erfahren: Und siehe da – Johnny Flynn ist nicht nur Schauspieler, sondern auch Musiker, Multiinstrumentalist…und Poet! Und obendrein liebevoller Familienvater. Die britische Times betitelte 2008 einen Beitrag über ihn: „The next posterboy of the nu folk scene“.
Ok, got it. Ich reihe mich im Fanclub ein! 😀

Johnny_Flynn_by_Steve_Gullick_2010
Steve Gullick (www.gullickphoto.com) – Johnny Flynn Promotional Photos 2011

Der Folkrock von Johnny Flynn & the Sussex Wit stammt zwar aus dem regnerischen England, versprüht jedoch den Charme der amerikanischen Country- und Folkmusik. Sie erzählt von Reisen in der Natur, menschlichen Schicksalen, persönlichen Gegebenheiten, alles gewürzt mit einer Prise Humor. Diese Musik ist wie ein warmes Kaminfeuer, an das man am Ende eines anstrengenden Tages zurückkehrt. Nicht zu jeder Zeit etwas für mich, aber zwischendurch können die schönen, ruhigen Melodien wunderbar erden.

Als sein bisher bestes Album gilt das 2013 erschienene Country Mile, aber auch das dieses Jahr veröffentlichte Werk Sillion ist hörenswert und von der Kritik gelobt. Das alte und sehr seltene englische Wort Sillion geht übrigens auf das Gedicht „The Windhover“ des viktorianischen Poeten Gerard Manley Hopkins (1844-1889) zurück und bezeichnet die frische Erde, die beim Pflügen zum Vorschein kommt.
Diese Vorliebe von Flynn für Poesie kommt nicht von ungefähr. Dichtergrößen wie William Shakespeare, William Butler Yeats oder (noch lebend) Robert Macfarlane nennt er seine Vorbilder. Klar, dass man daraufhin Großes von den Songtexten erwartet. Und in der Tat steckt viel Lyrik in Texten von Flynn; viele Songs erzählen eine Geschichte.

Barleycorn (auf Sillion) erzählt von drei Männern, die John Barleycorn an den Kragen wollen. Ein eher aussichtsloser Kampf, sollte mit John Barleycorn wirklich „König Alkohol“ (Jack London) gemeint sein. Denn der Name ist im Englischsprachigen eine spöttische Bezeichnung für Alkohol.
Der Song Einstein’s Idea (Country Mile) ist wiederum ein Schlaflied für Flynns damals zweijährigen Sohn, in dem er versucht diesem – so an vielen Stellen zu lesen –, Einsteins Relativitätstheorie näher zubringen. Gleichzeitig ist der Song aber schlichtweg eine rührende Liebeserklärung:

The suns and the moons and the galaxies far
Were cast from his bow before they were stars
Oh and the gap in-between them is nothing to us
Our eyes cut the distance as loving eyes must
From me unto you son from dust unto dust

Besonders hat es mir aber der Song The Water (Been Listening, 2010) angetan, ein wunderschönes Duett zwischen Flynn und der britischen Folk-Pop-Sängerin Laura Marling. Für mich geht es in dem Text darum, sein Schicksal zu umarmen, anzunehmen und sich so über dieses zu erheben:

The water sustains me without even trying
The water can’t drown me, I’m done
With my dying

In einem Interview mit der Wochenzeitschrift The Spectator sagte Flynn über den Song: „It was about trying to get the male and female voices like river currents, swirling around each other, tracing each other, overlapping.“

Kommen wir endlich zu der Absicht, die der Beitrag hier ursprünglich hatte: euch für „Lovesick“ zu begeistern! Ich weiß nicht, wie vielen Leuten ich mit dieser Serie schon in den Ohren gelegen habe…
Die Story klingt ein bisschen wie ein Unfall, bei dem man weder hin- noch wegschauen kann: Dylan (Johnny Flynn) wird eröffnet, dass er Chlamydien hat. Er bekommt ein Medikament, aber da er nicht weiß, woher er die Geschlechtskrankheit hat und wen er alles angesteckt haben könnte, muss er seine stattliche Anzahl an Verflossenen kontaktieren und sie mit der unappetitlichen Tatsache konfrontieren. Dabei stolpert er in eine schräge Situation nach der anderen. Immer an seiner Seite: seine besten Freunde Evie (Antonia Thomas) und Luke (Daniel Ings).
Angesichts dieser Story hatte ich eigentlich viele Zoten, schlechte Gags und Peinlichkeiten erwartet. Was ich dagegen fand, war herrlicher britischer Humor (und Akzent!), liebenswerte Charaktere, die man einfach nur abknutschen will und den ein oder anderen unerwarteten Klischeebruch. Ich hatte auf jeden Fall viel Spaß beim Zuschauen und kann den Start der dritten Staffel kaum erwarten. Noch gibt es aber leider keinen offiziellen Start. Bis dahin tröste ich mich mit ein paar Johnny Flynn Songs (und der Playlist von „Lovesick“). Und ihr könnt ja derweil Staffel 1 und 2 auf Netflix schauen! 🙂

Ein Kommentar zu „Johnny Flynn – Der „Posterboy of nu folk“ (The Times)

  1. Hach! Johnny! ❤ 😀
    Ich kenne ihn auch von der Serie »Lovesick« und mir ging es genau so wie dir. Ich habe mich die ganze Zeit gefragt, ob ich ihn denn nun attraktiv finde oder nicht. Ich habe mich für ja entschieden.. für ein lautes »JA!!!« Dass er Musik macht, habe ich gar nicht gewusst. DANKE dafür! ❤ Habt eben die ganze Zeit seine Musik gehört und bin unter anderem auch total an dem Song mit Laura Marling hängen geblieben. GANZ TOLL! Also alles von ihm, zumindest, was ich bis gerade schon alles gehört habe. Toller Tipp! Danke 🙂

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