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Die 10 besten Klassik-Stücke aller Zeiten

Von Zeit zu Zeit muss es für mich einfach klassische Musik sein. Dann höre ich diese alten Stücke, bin glücklich und denke darüber nach, ob solche Meisterwerke nur möglich waren, weil es damals kein Internet gab. Hier habe ich euch meine Top 10 mit einigen interessanten Hintergrundgeschichten zusammengestellt.

Ein kleiner Tipp vorab: Klassik muss man vor allem laut hören. Sehr laut.

1. Erik Satie – Gymnopedie No. 1

Eine Ankedote erzählt, dass, als Erik Satie im Dezember 1887 das Pariser Cabaret „Le Chat Noir“ besuchte und dem Direktor vorgestellt wurde, er sich selbst als „Gymnopedist“ bezeichnete – einfach weil er keine gängige Berufsbezeichnung hatte. Mit dem Komponieren seiner drei Gymnopédies begann Satie zwei Monate später (Wollte er seine kühne Behauptung nun wahr machen?) und stellte sie im April 1888 fertig.
Bei Youtube schreibt Father Thyme zu den drei Gymnopédies (von meiner Vorliebe für Youtube-Kommentare habe ich euch ja bereits hier berichtet): „This is an emotional magnifier. If you’re sad, it makes you more sad. If you’re contemplative, it makes you more contemplative. If you’re in love, it makes you more romantic.“ So wahr!
Satie selbst gab übrigens an, dass seine Gymnopédies von Gustave Flauberts Roman Salambo inspiriert sei, dessen exotische, aber auch drastische Schilderungen vom Söldneraufstand (241–237 v. Chr.) in Nordafrika großen Eindruck auf die Menschen damals machten.

2. Johann Pachelbel – Kanon D-Dur

Der Kanon D-Dur von Johann Pachelbel hat eine ganz besondere Bedeutung für mich: Zu meiner Hochzeit spielte ein Freund ihn auf Klavier, als mein Vater mich in den Trausaal führte. Leider war ich so aufgeregt, dass ich von dem Lied nicht viel mitbekam…
Wie ich jetzt erst bei meinen Recherchen herausfand, wurde das Stück wahrscheinlich tatsächlich für eine Hochzeit komponiert: für die von Johann Christoph Bach im Jahr 1694, dem älteren Bruder von Johann Sebastian Bach.
Der Kanon sollte Pachelbels populärstes Werk werden und nachfolgende Musik bis in die Gegenwart beeinflussen.

3. Johann Sebastian Bach – Präludium Nr. 1 aus „Das Wohltemperierte Klavier“

Johann Sebastian Bach ist einer der berühmtesten Musiker der Welt. Zu Recht. Mit dem Präludium Nr. 1 aus der Sammlung „Das Wohltemperierte Klavier“ Band 1 (1722) zeigte er, dass Schönes nicht kompliziert sein muss. Ein relativ einfache Komposition mit Start in C-Dur, die sogar in Büchern für Klavieranfänger auftaucht. Kein Zufall: Bach komponierte die Stücke in „Das wohltemperierte Klavier“ als Übungsmaterial für seine Schüler, die damit ihre Fingerfertigkeiten schulen sollten.

4. Ludwig van Beethoven – 5. Sinfonie

Wer kennt nicht Beethovens 5. Sinfonie, besser bekannt als Schicksalssinfonie. Der Name geht übrigens auf die Beethoven-Rezeption in der Romantik zurück, in der die 5. Sinfonie als eine Erzählung von Triumph und Niederlage, vom ewigen menschlichen Schicksalskampf, interpretiert wurde. Angeblich soll Beethoven über sein Werk gesagt haben (zitiert von seinem Sekretär Anton Schindler): „Den Schlüssel zu diesen Tiefen gab dessen Schöpfer selber, als er eines Tages mit dem Verfasser über die demselben zu Grunde liegende Idee sprach, mit den Worten: So pocht das Schicksal an die Pforte, indem er auf den Anfang des ersten Satzes hinwies.“ In der aktuellen Forschung wird die Verengung auf diese Deutung jedoch kritisiert. Den Namen wird aber niemand so schnell aus den Köpfen der Menschen herausbekommen. Zu eindringlich ist der harte Rhythmus verbunden mit der Vorstellung, dass das Schicksal manchmal unbarmherzig zuschlägt. Das Werk offenbart für mich – trotz einiger heller Zwischentöne – eine ungeheure Brutalität, die einen aufgewühlt zurücklässt. Ein radikales, geniales Werk.

5. Pjotr Iljitsch Tschaikowski – Schwanensee 

Ähnlich bekannt wie die Schicksalssinfonie ist dieses Stück aus dem Ballett Schwanensee von Taschaikowski: Musik, zunächst leicht wie eine Feder, später dunkel und schwer wie die Finsternis. Dramatik pur und wunderschön!
Die Geschichte des Balletts ist euch sicherlich bekannt: Die schöne Prinzessin Odette wurde in einen Schwan verzaubert und nur die Liebe eines Mannes kann sie erlösen (Was sonst!). Zum Glück taucht Prinz Siegfried auf, der sich auf der Stelle in sie verliebt. Der böse Zauberer Rotbart ist davon wenig begeistert und plant das junge Glück zu zerstören…

6. Claude Debussy – Clair de Lune

Ach, Debussy! Keiner spielt das Klavier so zart und flirrend wie du. Das wunderschöne Clair de Lune (dt. Mondschein) ist der dritte Satz der Suite bergamasque (1905) und sehr wahrscheinlich inspiriert vom Gedicht „Clair de Lune“ des französischen Lyrikers Paul Verlaine (1844 – 1896). Wer mag, kann das Gedicht hier in verschiedenen Übersetzungen nachlesen.

7. Ludwig van Beethoven – Klaviersonate Nr. 14. (Mondscheinsonate)

Und schon wieder der Mond! Wen mag es wundern, seit Ewigkeiten fasziniert der Erdtrabant und sein Leuchten die Menschen. Schon zu Beethovens Lebzeiten war seine Klaviersonate Nr. 14 (1801) außerordentlich beliebt, sodass er selbst etwas frustriert anmerkte, doch „wahrhaftig etwas Besseres geschrieben“¹ zu haben. Bereits damals kursierten Gerüchte über die Entstehung des Stückes: Ein blindes, schönes Mädchen am Klavier im Mondschein soll Beethoven so gerührt haben, dass er sich neben sie setzte und spontan den ersten Satz komponierte. Eine andere Geschichte erzählt, er habe das Stück aus dem Stehgreif bei der Totenwache eines Freundes erdacht. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass das Stück von der Sterbeszene des Komturs in Mozarts „Don Giovanni“ inspiriert ist, der das Stück musikalisch in der Triolenbewegung ähnelt.
Die Bezeichnung Mondscheinsonate geht übrigens auf den Musikkritiker Ludwig Rellstab (1799-1860) zurück, den die ruhige Melodie des ersten Satzes an den Schweizer Vierwaldstättersee im Mondlicht erinnerte.

8. Franz Liszt – Liebestraum No. 3

Franz Liszt (1811 – 1886) war der erste Popstar der Klassik. Schon als Kind als „Wunderknabe“ bejubelt, erreichte er später Ruhm wie noch kein Pianist zuvor. Die Frauen lagen ihm zu Füßen, eine regelrechte „Lisztomanie“ brach aus, insbesondere in Berlin. Meine Lieblingsgeschichte ist, dass sein Hund ihm unbemerkt als Lockenlieferant diente, da zu viele Damen eine Haarsträhne von ihm begehrten.
Der Liebestraum Nr. 3 (1850) basiert auf dem Gedicht „Oh lieb, solang du lieben kannst“ von Ferdinand Freiligrath. Welcher Dame er gewidmet ist, ist leider nicht überliefert. Vielleicht der sechs Jahre älteren Gräfin Marie d’Agoult, die 1835 Mann und Kind für Liszt verließ? Möglicherweise war sie Liszts große Liebe. Wer mehr wissen will, kann bei der SWR2 Musikstunde vorbeischauen.

9. Tomaso Albinoni – Adagio g-Moll

Das Adagio g-Moll basiert angeblich auf einem Fragment des barocken Komponisten Tomaso Giovanni Albinoni (1671-1751), doch erst 1958 erschien das Werk im Mailänder Musikverlag Ricordi, herausgegeben vom italienischen Musikwissenschaftler und Komponisten Remo Giazotto. Dass das Fragment einer Bass-Linie wirklich aus der Feder von Albinoni stammt, daran gab es später große Zweifel. Bis heute ist nicht geklärt, ob das Stück zumindest teilweise Albinoni zuzuordnen ist oder vollständig von Giazotto komponiert wurde.
Was auch die Wahrheit ist, es ist ein tieftrauriges, dramatisches Stück, dass bis heute Musik (Muse z.B. spielen die Melodie des Stückes als Intro vor Resistance) und Film beeinflusst (zuletzt in Manchester by the sea gehört).

10. Johannes Brahms – Ungarischer Tanz Nr. 1 

Und zum Schluss noch etwas Beschwingertes: Der Ungarische Tanz Nr. 1 von Johannes Brahms, veröffentlicht 1869. Insgesamt gibt es 21 Ungarische Tänze, ursprünglich waren sie für das vierhändige Klavierspiel komponiert. Berühmt wurden sie aber erst dank ihrer Fassung fürs Sinfonieorchester.
Brahms war übrigens unsterblich in die 14 Jahre ältere und virtuose Pianistin Clara Schumann, Ehefrau von Robert Schumann, verliebt – davon zeugen Briefe. Ob und inwieweit Clara sein Schwärmen erwiderte, ist nicht bekannt. Beide haben ihren Briefwechsel 1858 einvernehmlich – zwei Jahre nach Robert Schumanns Tod – vernichtet. Noch knapp vier Jahrzehnte brillierte Clara Schumann als gefeierte Pianistin und wurde 1896 neben ihrem Mann in Bonn beigesetzt.

Welches sind eure liebsten Klassikstücke? Habt ihr Tipps für mich? Schreibt mir doch gern unten in die Kommentare, ich freu‘ mich!

¹ Klaus Martin Kopitz, Rainer Cadenbach (Hrsg.): Beethoven aus der Sicht seiner Zeitgenossen. München 2009, Band 1, S. 218

3 Kommentare zu „Die 10 besten Klassik-Stücke aller Zeiten

    1. Hallo, vielen Dank für dein Kommentar! 🙂 Die Stücke, die ich ausgewählt habe, sind absolute Klassiker und schon von jedem bestimmt zigfach gehört, aber es ist nochmal etwas anderes, wenn man sich dazu hinsetzt, mit Kopfhörern, und dann wirklich hinhört, wie du sagst. Diese Lieder gehen mitten ins Herz und werden wahrscheinlich die Ewigkeit überdauern. Aber die Bedeutung ist bestimmt von Mensch zu Mensch ein bisschen verschieden, aber die Schönheit wird sicher jeder anerkennen. 🙂

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