Alle Beiträge · Live-Musik

Lollapalooza Berlin 2017 – So war’s

Licht und Schatten – beides gab es beim Lollapalooza auf der Rennbahn in Hoppegarten. Musik und Bands waren großartig, aber fast wäre der Samstagabend in einer Katastrophe geendet. Die Lage des Festivals in Brandenburg mit nur einer S-Bahn-Linien-Anbindung war eine absolute Fehlplanung – trotz Bemühen der Orga und Shuttlebusse. Ich bin froh, dass niemand ernsthaft verletzt wurde! Was aber die anderen Bereiche des Festivals angeht, wurde eines wieder klar: Meckern ist eine deutsche Tugend.

Zu lange Schlangen vor Toiletten und den Essensständen – das waren die Klagen, die die Runde machten. Aber mal Hand aufs Herz: Was erwartet man bei 85.000 Besuchern! Wer es schnell wollte, konnte sich an den Asia Imbiss halten und die Getränkestände abseits des Trubels waren weniger frequentiert. An den Toiletten neben der Alternative und Perrys Stage stand ich nie an, aber wer auch auf einem Festival nicht auf sein wassergespültes Klo verzichten möchte oder nicht bereit war 200 Meter zu laufen, der wartete halt eine halbe Stunde in der Schlange. Einfache Rechnung.

sdr
Auf der S-Bahn-Brücke wird’s eng.

Aber ohne Mist: Das waren Luxusprobleme, mit denen man leben konnte. Aber die zeitgleiche Abreise am Samstagabend von vielen zehntausenden Besuchern ließ die Orga des Lollapalooza fast an ihre Grenzen kommen. Die Leute wurden auf dem Festivalgelände festgehalten und vor der S-Bahn-Haltestelle Hoppegarten stauten sich tausende Menschen. Grund: Der Bahnsteig war voll und die Polizei hatte diesen abgeriegelt. Ein notwendige Maßnahme, die aber gleichzeitig eine Menge Zündstoff barg. Die Leute waren müde, durstig und wollten einfach nur nach Hause. Mittlerweile fuhren die Bahnen aber nur noch stündlich.
Allmählich kippte die Stimmung. Ich sah mehrere Frauen, die kollabiert aus der Menge getragen und von Sanitätern versorgt wurden. Die Polizei wurde immer nervöser. Wiederholt riefen sie durch das Megaphon: „Treten Sie zurück! Die Menschen in den ersten Reihen können nicht atmen! Treten Sie bitte zurück!!“ Es wurde bedrohlich. Ich stand außerhalb der Menge und wusste, dass wir nie auf diesen Bahngleis kommen würden. Also liefen wir rund 2,5 Kilometer zur nächsten S-Bahn-Station Neuenhagen. In der Ferne heulten die Sirenen. Ich hoffte, dass die Situation nicht noch mehr eskalierte. In Neuenhagen bekamen wir schließlich die Bahn Richtung Strausberg und dreieinhalb Stunden nach Aufbruch vom Festivalgelände fielen wir endlich ins Bett.

Am nächsten Tag las ich, dass es etwa 30 Verletzte gegeben hatte, aber eine Massenpanik zum Glück nicht eingetreten war. Am Sonntag hatten wohl viele keine Lust mehr aufs Lolla, denn es wurde der entspannteste Tag: kaum Schlangen, weniger Besucher und auch die Abreise lief problemlos.

Das waren die Negativschlagzeilen, die man überall hörte und las und am Image des Lollapalooza gehörig kratzten. Mein Fazit aber: Es waren grandiose zwei Tage! (Trotz fahlen Beigeschmacks.) Die Stimmung war super, die Bands rockten und Sonntag kam sogar die Sonne raus und es blieb trocken.
Dies sind die Bands, die ich gesehen habe (und verpasst habe, aber trotzdem empfehle):

Samstag

Wanda (nur halb und aus der Ferne)

Lollapalooza_Berlin_2017_Wanda_Steve_Klemm_kl
Wanda © Steve Klemm

Leider gab es am Samstagnachmittag einen Notfalleinsatz im Berliner Ostbahnhof, sodass reihenweise S-Bahnen ausfielen und ich es nicht mehr rechtzeitig zu Wanda schaffte, mein persönliches Highlight auf dem Festival. Das war bitter. Was ich noch sah, war Sänger Marco Michael Wanda, der alles gab!

The Vaccines

The_Vaccines_Lollapalooza_Berlin_2017_Matias_Altbach_kl
The Vaccines © Matias Altbach

Erstmal was essen und dabei einer Band zuhören – entspannter geht’s nicht. Die Wahl fiel auf The Vaccines, die vielversprechend klangen. Sänger Justin Young setzte mit seiner roten Jacke auf jeden Fall ein Fashion Statement!!

Michael Kiwanuka

Lollapalooza_Berlin_2017_MichaelKiwanuka_LottermannFuentes_kl
Michael Kiwanuka (r.) © Lottermann Fuentes

Für Michael Kiwanuka hab‘ ich Materia und seine „Lila Wolken“ gern links liegen gelassen. Während sich die meisten Leute vor der Main Stage versammelten, um dem Rapper zu huldigen, gab der britische Soulsänger ein entspanntes Konzert und verzauberte alle mit seiner unglaublichen Soulstimme.

Mumford & Sons

Lollapalooza_Berlin_2017_MumfordAndSons_Steve_Klemm_kl
Mumford & Sons © Steve Klemm

Im vergangenen Jahr beim Hurricane verpasst, bekam ich endlich die Chance die britische Folk-Rock-Band zu sehen. Und es war großartig! Nach all dem Springen und Tanzen rauschten die Endorphine nur so durch die Blutbahn. Die Band gab viele ihrer größten Hits zum Besten und und machte mit unbändiger Spielfreude ihr Publikum einfach nur glücklich.

Two Door Cinema Club

Two_Door_Cinema_Club_Lollapalooza_Berlin_2017_Matias_Altbach_kl
Two door cinema club © Matias Altbach

Mittlerweile gab es die ersten Durchsagen des Veranstalters, dass die Abreise vom Gelände sich schwierig gestalte und dass man doch noch etwas bleiben sollte. Na gut! Mit Two Door Cinema Club kann man eh‘ nichts falsch machen. Menschlich kam da zwar nicht viel rüber. Dennoch lieferte die Band eine solide Show mit Krachern wie „Cigarettes in the theatre“ und „Undercover Matyrn“, bei der man tänzerisch noch mal alles geben konnte.

Leider verpasst: Bear’s Den

Eigentlich hatte ich die leise Hoffnung, es 15 Uhr noch zu Bear’s Den zu schaffen, die ich kurz vor dem Festival für mich entdeckt hatte. Aber die S-Bahn-Ausfälle und Stau auf der Autobahn machten diesen Traum kaputt. Als Musiktipp möchte ich sie trotzdem nicht unerwähnt lassen!

Sonntag

Bonaparte

Lollapalooza 2017
Bonaparte © Stephan Flad

Was soll man sagen? Bonaparte sind einfach ein Hingucker mit ihrer verrückten Bühnenshow, so dass ich auch beim Erkunden des Festivalgeländes nicht die Augen von ihnen lassen konnte.

Django Django

Lollapalooza_Berlin_2017_DjangoDjango_SteveKlemm_kl
Django Django © Steve Klemm

Ach ja, das war schön! Sonnenschein, auf der Wiese sitzen und Django Django zuhören, die eine Bühnenshow ohne viel Tamtam lieferten. Brauchten sie auch nicht, ihre Musik sprach für sich. Meine Neuentdeckung des Festivals!

Westbam

Lollapalooza_Berlin_2017_Westbam_Steve_Klemm_kl
Westbam © Steve Klemm

Eigentlich bin ich kein großer Technofan, aber Westbam haben mich umgehauen. Die Beats gingen durch und durch und zogen immer mehr Menschen zur Perry Stage. Genau das Richtige, wenn man mal nicht auf den Text hören will! 😉

Foo Fighters

Lollapalooza 2017
Foo Fighters © Stephan Flad

Hell yeah! So richtig bin ich mit den Foo Fighters eigentlich nie warm geworden. Aber man kennt sie ja doch und was die Mannen um Dave Grohl beim Lolla als Bühnenshow ablieferten, war einfach Rock pur. Theatralisch, rau, ein Gitarren-Blitzlicht-Inferno. Dave Grohl hatte offenbar Laberwasser getrunken und war in bester Stimmung. Es folgte ein Kracher auf den nächsten aus mittlerweile neun Alben. Nach einem Besuch auf der Toilette hatte ich allerdings meine Begleitung verloren, sodass der Konzertgenuss für mich leider erstmal vorbei war.

The XX

Lollapalooza 2017
The XX © Stephan Flad

Schöne Menschen, schöne Musik! The XX hatten den undankbaren Part, letzter im Lineup zu sein. Damit spielten sie vor weniger Menschen, als sie es eigentlich verdient hätten. Viele Besucher hatten sich schon auf den Heimweg gemacht. Schade drum! Denn die drei Musiker aus London lieferten eine zauberhafte Show, in der die Stimmen von Romy Madley Croft und Oliver Sim die Hauptrollen spielten. Wunderschön und pur!

Leider verpasst: Meute

Nach dem Abreisechaos am Samstag war die Müdigkeit am Sonntagmorgen einfach zu groß, sodass ich es doch nicht zu Meute um 12 Uhr schaffte. Dabei klang es so vielversprechend: eine 11-köpfige Techno-Marching-Band, wie cool ist das denn bitte? Ich hoffe, ich bekomme irgendwann nochmal die Gelegenheit, sie zu sehen, denn ich erwarte nichts weniger als eine großartige Show!

Und damit war das Lollapalooza nach zwei Tagen leider zu Ende. Ich fand es großartig: ein Festival in Berlin, hochkarätiges Line-up, ohne Campen, vielen schönen Menschen und super Stimmung. Das perfekte Festival für alle, die abends im eigenen Bett schlafen wollen und die Annehmlichkeit einer warmen Dusche schätzen! Wobei man auf einem klassischen Festival mit Zelten viel leichter mit Leuten in Kontakt kommt – weil einfach irgendwann alle gleich sind. Gleich versifft. 😉

Im nächsten Jahr findet das Lollapalooza im Olympiapark Berlin statt. Wenn das Line-up stimmt, bin ich gern wieder dabei. Und immerhin: Durch die S-Bahn-Station Olympiastadion fahren insgesamt vier S-Bahn-Linien. Es kann also nur besser werden!

Titelbild © Stephan Flad

Meine Playlist des Lollapalooza:

 

 

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s