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Life is strange: Before the storm – Was taugt das Spiel und der Soundtrack?

Fortsetzungen verheißen nur selten Gutes. Zu viele Negativbeispiele, bei denen eine Geschichte, egal in welchem Medium, verwässert wird oder mit dem Charme des Vorgängers nicht mithalten kann. Entsprechend groß war meine Skepsis, als Life is strange: Before the storm angekündigt wurde: Kann ein Prequel, also eine Vorgeschichte zu Life is strange, fesseln, wenn man doch weiß, wie alles endet?

Es kann! Ich hatte einen wunderbaren Abend mit der ersten Episode „Awake“, die ich in einem Zug durchspielten musste – einfach weil sie mich nicht mehr losgelassen hat.
In einem anderen Blog-Beitrag hatte ich bereits über Life is strange und den wunderbaren Soundtrack des Spiels geschrieben. Aber wenn ich jetzt auf den Text zurückblicke, habe ich eine Sache nicht genug betont: Ich. liebe. dieses. Spiel! ❤ Für mich gibt es kein besseres Game. Und ich wage zu behaupten, es könnte auch Menschen gefallen, die sonst mit Computerspielen nicht viel zu tun haben!

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So eine durchzechte Nacht kann ganz schön Kopfschmerzen bereiten. Protagonistin Chloe liebt Bier und Musik. © Deck Nine Games

Umso mehr habe ich mich gefreut, als mit Before the Storm ein Prequel angekündigt wurde. Aber wie gesagt, war ich auch skeptisch. Nicht nur wegen des bereits bekannten Schicksals der Charaktere, sondern auch weil Max, Protagonistin aus dem ersten Teil, nicht vorkommt und es nicht die Möglichkeit geben sollte, die Zeit zurückzudrehen. Welches Gameplay kann man dann noch erwarten?

Doch dann erklingt diese zauberhafte Musik, geht die ersten Schritte mit Chloe und vermisst Max gar nicht mehr. Sondern spielt mit Chloe eine konträre, aber nicht minder fesselnde Figur: Frech, rotzig, scharfzüngig, aber im Inneren zutiefst verunsichert.

Zu Beginn der Geschichte will die 16-Jährige unbedingt das Konzert der fiktiven Band Firewalk besuchen – was es auch kostet. Als Musikfan geht mir da natürlich das Herz auf. Der gefälschte Ausweis kann den Türsteher allerdings nicht foppen. Schließlich setzt Chloe ihre „Superkräfte“ ein: Ihre Fähigkeit, gewitzt und gewandt zu sprechen und Menschen so zu überzeugen. Und genau darin liegt die Herausforderung des Spieles: Chloes Antworten so geschickt zu wählen, dass man erreicht, was man will.

Aus Life is strange bekannt sind allerdings die Hauptentscheidungen mit ungeahnten Folgen für den Spielverlauf. Das Bild friert ein, fatalistische Musik erklingt und die Mahnung „Wähle weise!“ bringt einen noch mehr ins Schwitzen. Denn die Crux: Oft machen beide Optionen Sinn und man kann nicht absehen, was sie für Konsequenzen haben. Aber genau das macht natürlich den Reiz des Spiels aus!

Firewalk = Pretty Vicious

Der Song, zu dem Chloe auf dem Konzert schließlich abrockt, stammt übrigens von der walisischen Band Pretty Vicious und heißt „Are you ready for me?“. Die Bandmitglieder sind um die 20 Jahre alt und liefern mit der Nummer einen coolen Song ab, der einem den Kopf freipustet. Da ist eine Power in ihren Songs, die ich vermisst habe, ohne es zu merken. Wärmste Empfehlung!

Schon Life is strange bestach mit einem hervorragenden Soundtrack, der wesentlich zur Atmosphäre und Charakterisierung der Protagonisten beigetragen hat. Für den zweiten Teil überließen die Entwickler von Deck Nine Games nichts dem Zufall und beauftragten die englische Indie-Folk-Band Daughter damit, ein komplettes Album als Soundtrack zu komponieren. Herausgekommen sind atmosphärische Songs, die die Melancholie, aber auch Hoffnung des Spiels einfangen. Die Stimme von Sängerin Elena Tonra trägt wesentlich dazu bei. In dem folgenden Video erzählt die Band, wie sie bei ihrer Arbeit vorgegangen ist und was sie inspiriert hat.

Den Soundtrack von Before the storm sollen auch weitere Lieder ausgewählter Bands ergänzen. Ich bin auf jeden Fall gespannt auf die weiteren Episoden, nicht nur erzählerisch, sondern auch musikalisch!

Übrigens bleibt auch Before the storm der Linie des Vorgängers treu: viel Gefühl, eine gut dosierte Prise Klischee und eine intensive Mädchen-Freundschaft. All das kann einem übel aufstoßen, für mich ist dies aber in keinem Moment zu kitschig. Pluspunkt: Humor und Witz gibt es noch viel öfter als in Life is strange. Außerdem legt das Spiel erzählerisch sofort mehr Tempo vor als Teil 1 (weniger Spaziergänge übers Schulgelände, durch Gänge etc.).
Aber klar, Chloe und ihre Freundin Rachel sind ziemlich „edgy“ Teenager und nicht jedes Problem muss man nachvollziehen können, insbesondere wenn man der Pubertät längst entkommen ist (ein Glück!). Aber wer sich an seine eigene Jugend erinnern kann und Gefallen an gutem Storytelling hat, wird mit Episode 1 viel Freude haben und ein hervorragendes Prequel erleben!

Titelbild: © Deck Nine Games, Schulliebling Rachel (rechts) und Außenseiterin Chloe schließen Freundschaft.

 

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