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Martin Seidel „Comin‘ home“ – „Manchmal frage ich mich, ob ich in der Vergangenheit richtig entschieden habe“

Der Herbst kommt, der Sommer ist zu Ende. Doch ich mag diese Zeit. Der Herbst war für mich schon immer eine Zeit großer Veränderungen. Jobwechsel, Umzüge, neue Ideen…was wohl dieses Jahr bringt? Gleichzeitig steht mir der Sinn nach mehr Ruhe und besonnener, entspannter Musik. Die habe ich gefunden beim Singer-Songwriter Martin Seidel, meiner Neuentdeckung aus Dresden. Er erzählt im Interview über sein musikalisches Schaffen und die Themen seiner Songs.

Musik begleitet Martin Seidel schon sein ganzes Leben lang: erste Banderfahrungen mit 15 Jahren, Preise in Wettbewerben, Mitglied verschiedener Bands… Mit „Comin‘ Home“ legt er nun sein erstes Soloalbum vor. Darin: eine Fülle an Instrumenten, pfiffige Melodien und ein sehr schöner, beruhigender Gesang. Die Songs begeistern mich durch ihre musikalische Ideen, die immer wieder hervorblitzen. So besticht der Song „Like you“ durch seinen melodiösen Klavierpart, bevor er mit einer Klangexplosion endet, in der Martins Death-Metal-Vergangenheit kurz durchscheint. Ob er diese eines Tages wieder aufleben lässt und noch viel mehr, verrät er im Interview.

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Singer-Songwriter Martin Seidel.

Dein erstes Album heißt “Comin‘ Home”. Wer nach Hause kommt, war zwangsläufig aber in der Fremde, auf Reisen. Also, wo warst du die vergangenen Jahre und wohin kommst du jetzt nach Hause?

Ich mache schon mein ganzes Leben lang Musik und habe dabei schon ziemlich viel ausprobiert. Ich habe in unter anderem im Chor gesungen, mit meiner Folkband auf Hochzeiten und bei Dinnershows gespielt, Flöte gespielt und als Frontmann einer Stoner/Doom-Band eine gute Zeit gehabt. Gleichzeitig hatte ich seit längerer Zeit den Wunsch, mir ein Soloprogramm aufzubauen und damit allein durch die Lande zu ziehen. Als ich dann endlich die Gelegenheit bekam, mein erstes eigenes Album zu machen und anfing, die Aufnahmen vorzubereiten, hat sich plötzlich alles richtig angefühlt. Da ging ein Traum in Erfüllung. Und da der erste Song, den ich je schrieb, bezeichnenderweise „Comin‘ Home“ heißt, hat sich da ein Kreis geschlossen.

Was man zunächst nicht vermutet, wenn man deine Musik als Singer-Songwriter hört: Du warst bzw. bist Sänger in zwei Black/Death Metal Bands (“Notorios” und “Fear the Existence”). Schlagen da etwa zwei Herzen in deiner Brust? 

Das kann man so sagen. Ich bin mit Metal groß geworden und bleibe dem heutzutage auf meine Art treu, gehe auch gelegentlich gern auf Metal-Konzerte. Und da ich gern Sachen ausprobiere, hat es sich ergeben, Mitglied in verschiedenen Kapellen zu werden. „Notorius“ ist darunter die einzige, die noch richtig aktiv ist, „Fear The Existence“ gibt es leider nicht mehr. Wir haben uns aber nie offiziell aufgelöst und wer weiß, vielleicht machen wir eines Tages wieder was.

Was kommt bei dir zuerst – Text oder Melodie?

Melodie. Meistens pfeife oder summe ich so vor mich hin und wenn ich Glück habe, merke ich mir das auch. Mit der Gitarre mache ich dann die Begleitung dazu. Oder ich finde ein geeignetes Riff und denke mir eine Melodie dazu aus. Wenn ich dann eine Strophe und einen Refrain fertig habe, fange ich mit dem Text an und stelle den Rest dann parallel fertig. Auf diese Weise ist der größte Teil meiner Songs entstanden – und es ist ein langwieriger und teilweise auch sehr kräftezehrender Prozess, weil ich mich nicht mit den erstbesten Ideen zufrieden gebe. Deswegen versuche ich ab und zu auch, erst den Text zu schreiben. Wenn der einmal fertig ist, schreiben sich Melodie und Begleitung dazu fast von selbst.

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Was sind die Themen deiner Songs, die dich umtreiben? Was inspiriert dich zu deinen Texten?

Das sind meist ganz alltägliche Dinge und persönliche Zweifel, die ich so mit mir herum trage. Manchmal frage ich mich, ob ich in der Vergangenheit in manchen Fragen richtig entschieden habe und wie es wohl wäre, wenn ich einen anderen Weg eingeschlagen hätte. Zudem versuche ich viel, mich in verschiedene Situationen hineinzuversetzen und ihnen dadurch philosophische oder pfiffige Formulierungen abzugewinnen. Und natürlich sind da auch die klassischen Love- und Break-up-Songs. „Didn’t Mean To“ zum Beispiel habe ich aus Sicht einer Frau geschrieben, die mit ihrem Partner Schluss gemacht hat und nun verzweifelte Erklärungsversuche unternimmt, dass sie das ja alles überhaupt nicht gewollt hat und doch eigentlich alles okay ist. So habe ich eine Trennung verarbeitet. Manchmal schnappe ich aber auch einzelne Sätze oder kleine Formulierungen auf, die mir lange im Gedächtnis bleiben und sich dann irgendwann in meinen Texten wiederfinden. Ich habe zum Beispiel mal einen Text geschrieben, der ausschließlich aus Filmzitaten bestand und ihn im Laufe der Jahre in drei verschiedenen Bands immer wieder verwendet.

Dein Song “Baby, these are mysterious times” ist ein eher düsteres, geheimnisvolles Lied. Was sind diese mysteriösen Zeiten, von denen du singst?

Es hat insgesamt fast 15 Jahre gedauert, diesen Song fertig zu stellen. Die erste Strophe und den Refrain habe ich im Herbst 2001 geschrieben, aber nie fertig gestellt. Irgendwie geriet die Nummer dann in Vergessenheit und als es dann vor zwei Jahren richtig mit dem Soloprogramm losging, habe ich sie wiedergefunden und noch eine zweite Strophe und eine Bridge dazu geschrieben. Inhaltlich geht es darum, dass man orientierungslos ist und viele unbeantwortete Fragen hat und manche sich das zunutze machen und völlig unbedeutende Sachen soweit aufblasen, dass man nicht anders kann als darauf anzuspringen. Der Refrain soll dann dazu ermuntern, sich ruhig ab und zu mal auf seinen inneren Kompass zu verlassen, dabei aber immer im Hinterkopf zu behalten, dass alles, was man tut, auch Konsequenzen hat.

Was erwartet die Besucher deiner Konzerte?

Ich liebe es, live zu spielen und versuche immer, mein Publikum bestmöglich zu unterhalten. Zunächst einmal ist bei mir alles „echt“, Gitarre, und Gesang, fertig. Keine Loopstation, keine Einspieler. Da kann es auch mal vorkommen, dass mal was daneben geht. Da müssen wir dann gemeinsam durch, mein Publikum und ich. Aber das gehört dazu, daran merkt man, dass es live ist und die Leute verstehen das auch, meistens lachen wir gemeinsam darüber. Zudem erzähle ich viel, vor allem die Hintergründe oder Entstehungsgeschichten meiner Songs. Außerdem covere ich einige Lieder, die ich gut finde, also erzähle ich bisschen was dazu. Viele Gäste nehmen das als Empfehlungen für potenzielle musikalische Neuentdeckungen mit, ich muss oft nach meinen Konzerten die Songtitel und Interpreten aufschreiben. Der Rest ist pure Daseinsfreude. Ich reagiere gern auf Situationen und interagiere mit dem Publikum, versuche, die Leute auf meine Seite zu ziehen – und dazu ist mir jedes Mittel recht. (lacht) Zusammengefasst würde ich sagen: Die Besucher meiner Konzerte erwartet ein besinnlicher Abend mit guter Musik.

Vielen Dank, alles Gute und weiterhin viel Erfolg!

 
Martin Seidel live
20.10.2017 – Zschoner Mühle, Dresden (Support für Whysker)
22.11.2017 – Restaurant Lindenfels, Leipzig
23.02.2018 – Jeaney’s Live Music Pub, Fürstenfeldbruck
24.02.2018 – Glasbau, Pfarrkirchen (tbc)
28.02.2018 – Blue Note, Dresden
01.03.2018 – Mühlkeller, Leipzig (LIVE² – Singer Songwriter Salon)​
 
Songwriter’s Club
Martin Seidel lädt sich Gäste ein, um mit Ihnen einen Abend zu gestalten.
Unter anderem wird auch musiziert.
11.09.2017 – Say Meow  @ Blue Note, Dresden
09.10.2017 – Stina Mari & Band @ Blue Note, Dresden
26.10.2017 – Robert Graefe @ &Rausch, Dresden
13.11.2017 – Susann Großmann @ &Rausch, Dresden
11.12.2017 – Whysker @ Blue Note, Dresden
28.12.2017 – Tell Me More @ &Rausch, Dresden

http://martinseidelmusic.de/
https://www.facebook.com/martinseidelmusic/

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