Alle Beiträge · Neu entdeckt

Imwido – Wenn das Gehirn Ferien macht

„Ois is staad, koana da, i frog mi, wos bumbert do?“ Na, wer kann das übersetzen? Ich selbst musste ein Deutsch-Bayrisch-Wörterbuch zu Rate ziehen. Wenig später brachte mir die Band Imwido höchstpersönlich die Bedeutung ihres Songs „Wos bumpert do?“ näher. Für mich haben sie einen Kracher der bayrischen Sprache gelandet, der einfach Spaß macht – und feiern in einem weiteren Song ihre Heimatstadt München, mit viel Ironie und Humor.

Immer wieder donnerstags treffen sich die sieben Mitglieder der Band Imwido zum gemeinsamen Proben in München. Am Bass Martin Janßen; die Blechbläser bedienen die jüngsten der Runde, Daniel und Michael Metzenmacher, Martin Bammler und Martin Schott spielen Gitarre. Am Schlagzeug gibt Andreas Ritter den Takt vor. Am Mikrofon singt David Schneider.

DSC_6426_kl
Auf den ersten Blick ein großer Spaß, eröffnet die Musik von Imwido auch ungeahnte Abgründe. Bild: imwido

Vor kurzem hat die Band ihr erstes Album veröffentlicht: Individuell. Darauf: Etwas Ska, Reggae, Funk, mit einer Prise Hip Hop und Punk gemischt – der Stil ist so bunt wie der Musikgeschmack der Mitglieder selbst. Off beat Rock nennen sie ihren Musikstil. Und der geht auf jeden Fall ins Ohr und Beine.

Unverkennbar im Mittelpunkt stehen allerdings die Texte, die besondere Charaktere und Protagonisten ins Zentrum rücken. Zusammen mit Schlagzeuger Andreas Ritter möchte ich Licht hinter die Bedeutung jeden einzelnen Songs des Albums Individuell bringen.

1. Individuell

Wer wäre nicht gern individuell? Etwas Besonderes? Ich wage fast zu behaupten, dass dies eines unserer größten Bestreben in der heutigen Zeit ist. Denn (allesamt mal an die eigene Nase gefasst): Warum betreibt man sonst einen Blog? Oder gründet eine Band? Oder klettert auf einen kilometerhohen Berg? Oder… Ihr wisst, was ich meine. 

Andreas Ritter: „Ein schneller Reggae Beat mit gerappten Lyrics geben dem Song Drive. Am Ende steht die Einsicht, dass man doch auch gerne das Herdentier ist und das Gemeinschaftsgefühl mehr wert ist als alle Individualität.“

Lieblingszeilen:

Verdammt, ich bin so individuell, ich brauche alles so, wie ich es will.
Verdammt, ich will nicht wie die andern sein, ich mach mein Ding, das mach ich ganz allein.

2. Wie sie nervt

In dem zweiten Song des Albums fragt sich der Protagonist, warum er zum Teufel bei seiner nervigen Freundin bleibt, obwohl sie ihm so auf die Ketten geht. 

Ritter: „Die Strophe fliegt im Ska Tempo vorbei, bis der Refrain nicht nur das Tempo drosselt, sondern etwas Nachdenklichkeit bringt. Am Ende wird klar, dass auch die nervigen Seiten der Freundin liebenswert sind.“

Lieblingszeilen:

Denn nach ein paar Hugos, da wird’s echt tabulos und peinlich
und dann hör ich das Gegacker, ich mach mich vom Acker

3. Frieda

Älterwerden ist nicht leicht. Besonders wenn man in jungen Jahren glorreiche Zeiten hatte. Nicht alle können da loslassen. Genau davon handelt der Song Frieda, einem Schlagerstar vergangener Tage.

Ritter: „Verzweifelt versucht sie mit ihren Liedern ein Comeback, auf der Suche nach altem Ruhm und auch weil sie das Geld braucht. Doch wer will das heute noch hören? Ausweg ist nun das Autohaus, das ein Eröffnungsfest feiert. Stakkato-Bläser, ein schneller Shuffle und – eine Seltenheit – ein Gitarrensolo.“

Lieblingszeilen:

Jeder fragt sie: War das denn vernünftig?
Im Playboy Fotos dann mit 55.

4. Wos bumpert do?

Mein Lieblingssong der Platte! Und scheinbar bin ich damit in guter Gesellschaft. Bei Imwido-Gigs wird der Song stets lautstark als Zugabe eingefordert.

Ritter: „Imwidos gesungene Therapiesitzung zu einem Mann, der ein dumpfes Klopfen (Bumpern) hört. Sind es die Lausbuben oder die Nachbarn, oder kommt das aus seinem eigenem Kopf? Zum „Bumpern“ kommen dann noch Stimmen, die als Befreiung von der Pein einen hochprozentigen Tribut verlangen. Ist da nicht eher ein Wunsch Vater der wirren Gedanken?“

Lieblingszeilen: 

Kimmt des Bumbern vo de Nachbarn, de dan Krach schlang,
hom de an Dachschodn?

5. München

Ach ja, München. In keiner anderen Stadt schmeckt man so viel Geld in der Luft. Zuletzt wäre ich ob der gestählten Körper (Männlein wie Weiblein), die im Englischen Garten halbnackt über den Weg liefen, fast vom Fahrrad gefallen. Warum sind da eigentlich alle so perfekt??

Ritter: „Großstadt und Millionendorf. An der Landeshauptstadt scheiden sich die Geister, auch wenn man die Stadt seine Heimat nennt. Neureiche und Touristenströme, Traditionalisten und Spießer. Hier treffen immer wieder Welten aufeinander. Ein Bogen der Gegensätze von Kurt Eisner (erster bayerischer Ministerpräsident der SPD) über Franz Josef Strauß (letzter Monarch von Gottes Gnaden) und den FC Bayern München bis zu den Löwen aus Giesing. Aber vielleicht macht das die Stadt gerade besonders? Was in Bayern ein traditioneller Tanz, der Zwiefache (Mix aus 2/4- und 3/4-Takt), ist, wird hier als Basis eines Rapteils verwendet. Wer da beim Grooven nicht stolpert, der kann’s!“

Lieblingszeilen (natürlich der sehr eingängige Refrain):

Wo leben die? Wo arbeiten die? – München!
Wo kommen die her, wo woll’n die hin? – München!
Der Eisner Kurt, Franz Joseph Strauß – München!
Landeshauptstadt und Hassobjekt – München!

6. Rosarot

Oje, schon wieder ein Kerl, blind vor Liebe. Aber diesmal wird es wesentlich gefährlicher…

Ritter: „Imwido FSK 18! Es geht um Eifersucht und Gewalt. Der verführte Naive, der seine böse Überraschung erlebt und sich zum gnadenlosen Rächer seiner verletzten Männlichkeit aufschwingt. Swing im Mittelteil und ein klassischer Offbeat Rock-Song!“

Lieblingszeilen:

Bei unserm ersten Date kamst du gleich zu spät.
Ich hab mich so gefreut, du hast gegähnt!

7. Hirnferien

Obacht beim Ausschalten des Gehirns! Von den unerfreulichen Folgen erzählt dieser Song…

Ritter: „Ein spanisches Gitarren-Intro führt rasch zum schnellen und auch etwas härteren Drive in der Strophe. Es geht um Vergesslichkeit und die wunderbar übertriebenen Folgen derselben. Hier kommt der Refrain als Discobeat ,Four on the Floor‘ und alle marschieren im Gleichschritt gegen die Gefahren, die drohen, wenn das Gehirn mal Ferien hat.“

Lieblingszeilen:

Diese Dinge, die passieren, wenn du ganz woanders bist,
Gedanken in die Ferne schweifen, du die Gegenwart vergisst.
Blödes Zeug, was dann passiert, zack, schon hast du den Salat,
wie sollst du das nur erklär’n ?

8. Im Keller

Habt ihr euch schon mal ausgemalt, was in anderer Menschen Keller ist? Mit ein bisschen Phantasie werden sie zu einem sehr grusligen Ort. Was liegt unter dieser Plane? Und was ist in dieser Truhe? Brrrrr….

Ritter: „Inspiriert von Ulrich Seidls gleichnamigen Film, folgen wir hier den abgründigen Tätigkeiten und Hobbies, die in den Kellern unserer sonst so normalen Mitmenschen ablaufen. Der Kontrast zwischen dem schön gedecktem Tisch und dem gemähten Rasen an der Oberfläche zu den dunklen Seiten der Menschen, wenn sie sich unbeobachtet fühlen, wenn die Kellertür sich schließt. Musikalisch ein klassischer Ska, der ohne Refrain auskommt und von einem prägnanten Bläsersatz getragen wird. Text zu drastisch? Der Film, der als Vorlage diente, ist hier viel radikaler, also Vorsicht!“

Anspieltipps:

Wos bumpert do?, München, Individuell

Auf Soundcloud leider nur verkürzte Studioversionen.

 

Weiterklicken:

www.imwido.de
www.facebook.com/imwido

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s