Kurz notiert: Danke, Deutsche Bahn!

Inspiriert von einem Blogpost von Seppo kam mir die Erleuchtung, dass meine intensive Beschäftigung mit Songtexten und Musik auf jeden Fall der Deutschen Bahn und ihrem Regionalverkehr zu verdanken ist. Und das bewog mich in Eiltempo diesen kurzen Lob-, aber auch Hasstext über die Deutsche Bahn (oder eigentlich über ihre Passagiere) zu verfassen.

Dank eines Semestertickets exklusive ICE/IC verbrachte ich während meiner Studienzeit unzählige Stunden in muffigen Regionalzügen, um irgendwann an meinem Sehnsuchtsort, meiner ostsächsischen Heimat, anzukommen. Währenddessen vertrieb ich mir die Zeit mit Lesen und noch mehr mit Musik hören, dass damals noch mit einem Discman funktionierte, in den ich meine für die Fahrt sorgfältig ausgewählten CDs aus meiner CD-Tasche einlegte. Die Musik ging los, Shuffle war verboten (oder nicht vorhanden? Ich weiß nicht mehr…), das Album wurde von vorn bis hinten durchgehört. Dabei zogen Landschaft und Wetter an mir vorbei, Wälder, Felder, Städte, Dörfer…eine hochmeditative Angelegenheit. Die Gedanken begannen zu schweifen und plötzlich… „Aha, interessante Textstelle! Und, hmmm, so hab ich das noch gar nicht gesehen!“ Ohne meine ewigen Bahnreisen hätte ich mich in Musik wahrscheinlich niemals so sehr verloren. Denn wann sitzt man einfach nur da und macht nichts außer Musik zu hören? In dem Sinne: Danke, Deutsche Bahn, dass es dich gibt!

dig
Deutsche Bahn: Zeitreisen inklusive.

Aber wir wissen alle: Es gibt auch die weniger schönen Seiten dieses Mikrokosmos. Eingesperrt mit wildfremden Menschen auf winzigen Raum, ist die Fahrt manchmal interessant bis amüsant, manchmal ein Albtraum ungeahnten Ausmaßes: Da gibt es den Sitznachbarn, der seine Popel verspeist, während er wie ein Zombie auf seinen Laptop einhackt, und sich dann beschwert, dass du fünf Minuten vor Ankunft schon von deinem Fensterplatz aufstehen willst, um deinen Koffer zu holen. Dann ist da die alte Frau, die sich über eine junge Frau ärgert, die es wagt, sich im vollen Zug neben sie zu setzen, weil sie dann nicht mehr rauskäme. Oder die Leute, deren Handtaschen und Rucksäcke eigenständige Personen sind und selbstverständlich einen Sitzplatz verdienen (Oooh, diese Gewaltfantasien…). Besonders reizend sind die, die beim Schlafen auf deine Schulter fallen. Oder die Knoblauch-Liebhaber. Die Viel-Telefonierer. Die Halbtauben, die lautstark Musik hören, um ihren schlechten Geschmack zu demonstrieren. Und diese mysteriösen Wesen, die stundenlang vor sich hinstarren, ohne sich mit irgendetwas zu beschäftigen (Bitte sagt mir: Was denkt ihr? Was für ein Feuerwerk ist in eurem Kopf, dass ihr euch nicht langweilt?).

Aber dann sind da noch diejenigen, die dir helfen, deinen tonnenschweren Koffer hochzuwuchten. Die sich charmant entschuldigen, wenn sie dich anrempeln. Und letztendlich an einem Tag diese niedliche alte Dame, die ein freundliches Gespräch beginnt und deren Augen glänzen vor Vorfreude, bald in die große Stadt zu kommen, in der sie so viele Pläne hat. Auch dafür: Danke, Deutsche Bahn!

@ Jana Benke