Musik in Computerspielen: Besser zocken zu Streichern und Gitarren

Musik in Computerspielen ist euch egal? Hauptsache der Spielspaß stimmt? Oder könnt ihr Computerspielen gar nichts abgewinnen und seht sie als merkwürdige Parallelwelt, in der sich nur Nerds tummeln?
Hier möchte ich euch drei Spiele vorstellen, die erst durch fabelhafte Soundtracks so richtig gut werden. Und selbst wenn ihr keine Gamer seid – die Musik werdet ihr lieben. Versprochen!

Man liebt oder hasst sie – Computerspiele. Viele Vorurteile gibt es gegenüber Games und denjenigen, die sie spielen: „Blasse Gestalten mit Augenringen und kaum sozialen Kontakten“, „Langweiler“, „Nerds“. Und immer, wenn es einen furchtbaren Amoklauf gab: „Mögliche Gewalttäter!?“

Unfug, sage ich! Zugegeben, dass man die Sonne nicht so oft sieht, kann ich bestätigen (egal, macht eh faltig!) und vielleicht vergisst man mitunter zu essen und zu schlafen. Doch der Spaß, den Spiele machen, ist unvergleichlich: Wie man dabei Zeit und Raum vergisst, in einen Flow gerät und dem Alltag entflieht. All dies wurde sogar schon wissenschaftlich erforscht. Wenn euch das interessiert, kann ich euch das Buch „Besser als die Wirklichkeit“ der Spieleentwicklerin und Forscherin Jane McGonigal empfehlen. Daran entwickelt sie die These, dass Gamer hochkompetente Problemlöser sind und ihr Potential genutzt werden sollte, um auch Herausforderungen der realen Welt zu bewältigen.

Computerspiele haben nur einen einzigen Haken: Sie sind fiese Zeitfresser. Weshalb ich das Spielen erstmal auf Eis gelegt habe. Zum einen um hier mehr schreiben zu können. Und zum anderen, weil folgende drei Spiele meine Messlatte so hochgeschraubt haben, dass ich es mittlerweile verdammt schwer finde, ein überzeugendes Game zu finden. Deshalb bleibe ich erstmal abstinent. Bis das nächste grandiose Spiel um die Ecke kommt und mich genauso umhaut wie “Life is strange”.

Life is strange

Worum geht es? „Life is strange“ ist ein Spiel in fünf Episoden, entwickelt von Dontnod Entertainment. Man spielt die Fotografiestudentin Maxine Caulfield, die nur Max genannt werden will und in ihre Heimatstadt Arcadia Bay zurückgekehrt ist, um dort an der Uni zu studieren. Schüchtern, das Herz am rechten Fleck – Max gewinnt den Spieler von Anfang an. Bald entdeckt sie ihre Fähigkeit, die Zeit zurückzudrehen – und rettet damit prompt einer Freundin von früher  – Chloe – das Leben. Ganz im Sinne des Schmetterlingseffekts hat dies Folgen, die Max bald nicht mehr kontrollieren kann…

Life is strange
Max (l.) und Chloe auf Achse in der „golden hour“. Bild: Videogame Photography / http://www.flickr.com/photos/videogamephotography/24848724866/in/album-72157662067881214/

Man bewegt Max recht gemächlich durch die Welt von Arcadia Bay, unterhält sich mit anderen Figuren und interagiert mit Gegenständen. Ab und zu gibt es ein kleines Rätsel. Schwer ist das allerdings nicht. Zwischendrin gibt es Filmsequenzen, die die Handlung vorantreiben. Und die wird wesentlich beeinflusst von den Entscheidungen des Spielers. Oh ja, und wie! Alles, was man tut, hat Auswirkungen auf den Spielverlauf. Da entscheidet man sich zum Beispiel einmal nicht ans Handy zu gehen und plötzlich…Psst, das müsst ihr schon selbst herausfinden! 😉

Das gesamte Spiel durchzieht eine ganz besondere Stimmung. Und das ist Kalkül: Die Entwickler lassen viele Szenen in der „golden hour“ spielen, dem Licht, in dem alles am schönsten erscheint, kurz vor Sonnenauf- oder -untergang.
Mit entscheidend für diese Stimmung ist auch der Soundtrack. Local Natives und Syd Matters sind nur einige Bands, die in dieser Reihe zu finden sind. Anspieltipps: „Mt. Washington“ und „Obstacles“.

„Life ist strange“ lässt einen darüber nachdenken: Was, wenn ich wie Max die Zeit zurückdrehen könnte? Was würde ich tun?
Und gleichzeitig zeigt das Spiel: Selbst, wenn man die Vergangenheit ändern könnte – es muss nicht immer zum Guten sein. Selbst, wenn man nur das Beste im Sinn hatte. Kleine Änderungen ziehen Konsequenzen nach sich, die zu einem gewaltigen Berg anwachsen können. Rettet man einen Menschen, zerstört man das Leben eines anderen. So bleibt am Ende nur die Erkenntnis: Wie man sich im Leben auch entscheidet, es gibt nie die vollkommen richtige Wahl.

Child of light

Ein anderes Spiel, dessen Soundtrack fantastisch ist, ist „Child of Light“ von Ubisoft. Ein JRPG mit metertiefen Logiklöchern und mitunter albernen Dialogen (leider der deutschen Übersetzung geschuldet). Dennoch habe ich es so sehr geliebt, „Child of light“ zu spielen – warum?

Child_of_light
Eine Szene aus Child of Light.  Bild: Jorge Figueroa / https://flickr.com/photos/jiff01/16124238671

Zum einen ist das Spiel was fürs Auge. Man fliegt und schwebt durch eine märchenhafte Welt, wunderschön gezeichnet. Die Kämpfe sind rundenbasiert und nicht zu schwer. Wer also seine Herausforderung in Fights sucht, ist bei „Child of Light“ leider falsch.
Hauptfigur ist Prinzessin Aurora, die schwerkrank in einen tiefen Schlaf fällt und in das Reich Lemuria übergeht. Dort hat die böse, dunkle Königin Sonne und Mond gestohlen und Finsternis über das Reich gebracht. Nun soll Aurora das Licht zurückzubringen… Untermalt werden ihre Abenteuer von einer zauberhaften Musik, komponiert von der
 kanadischen Sängerin und Songschreiberin Béatrice Martin alias Coeur de Pirate.

Hört unbedingt mal rein – wunderschöne und entspannende Melodien, die ins Ohr gehen. Anspieltipps: „Aurora’s Theme“ und „Patches of the sky“.

Undertale

This game broke me

Ich erinnere mich leider nicht mehr, wo ich diesen Satz über Undertale gelesen habe – doch er hat sich tief in mein Gedächtnis eingegraben und mich dazu bewogen, das Spiel zu versuchen – trotz gewöhnungsbedürftiger Grafik und Steuerung. Das Spiel, entwickelt von Toby Fox, war der Indie-Überraschungshit 2015.

Die Geschichte: Ein menschliches Kind (Junge oder Mädchen? Das kann jeder selbst entscheiden) fällt hinab in den Untergrund. Und natürlich will es schnell wieder zurück an Erdoberfläche. Dumm nur, dass es zwischen den Ruinen vor Monstern nur so wimmelt. Vor langer Zeit haben diese einen Krieg gegen die Menschen verloren und leben seitdem in der Verbannung. Sie sind intelligent und mitunter ziemlich witzig. Und nicht alle wollen dem Menschenkind an den Kragen. Nicht sofort jedenfalls…

Lady_and_K.J
Die Charaktere aus Undertale friedlich zusammen. Bild: K.jandLady

Das Interessante an dem Spiel: Man kann völlig friedlich durch die Welt zu gehen, ohne ein einziges Monster zu töten – oder man metzelt sich durch die Katakomben. Wie man sich auch entscheidet, es wird das Spielende wesentlich beeinflussen.
Und genau das wusste ich nicht, als ich Undertale begann: Kaum in die Unterwelt gefallen, metzelte ich drauf los. Denn ist es nicht ein ungeschriebenes Gesetz in Spielen? Man sieht ein Monster – man tötet es! Das Spiel bricht mit diesem Klischee und ist genau deshalb so packend – trotz grober Pixelgrafik und kantiger Bewegungen.

Der Soundtrack (komponiert ebenfalls von Toy Fox) ist wie das Spiel: witzig, schräg, nostalgisch, kurzweilig und mitunter ernst und elegisch. Anspieltipps: „Fallen down“ (4), „Ruins“ (5), „Heartache“(14)  und „Bonetrousle“ (24).

Jetzt möchte ich von euch wissen: Spielt ihr Computerspiele oder habt ihr mit dergleichen gar nichts am Hut? Wie wichtig ist euch die Musik in Spielen? Gibt es weitere Spiele mit hervorragendem Soundtrack, die ihr empfehlen könnt? Schreibt mir doch unten einen Kommentar, ich freue mich!

Zum Weiterlesen und -gucken:

© Jana Benke

2 Kommentare zu „Musik in Computerspielen: Besser zocken zu Streichern und Gitarren

  1. Gerade als ich den Artikel angefangen habe zu lesen, dachte ich: Life is strange!
    Selbst leider nie gespielt, aber es wurde mir schon sehr oft empfohlen und der Soundtrack ist sogar auch bei mir abgespeichert 😀
    Die anderen Tipps finde ich auch spannend. Leider zocke ich momentan ÜBERHAUPT nicht mehr. Extrem schade eigentlich, aber ich finde keine Zeit dafür. Vielleicht sollte ich doch mal Life is strange spielen. ^^
    Tolle Musik haben auch Klassiker wie Zelda oder Final Fantasy. Von jeweiligen habe ich auch schon Songs auf dem Klavier gecovert! ❤
    Ich fände bei dir auch mal einen Beitrag zu Filmmusik oder Serienmusik spannend! 🙂 Hatte auf meinem Blog auch mal darüber nachgedacht, als ich jetzt über The Picturebooks geschrieben habe und dort »klingt wie aus einer Serie wie…« geschrieben habe.
    Vielleicht können wir auch mal parallel so ein Beitrags-»Projekt« starten und mal schauen, was bei uns beiden jeweils rum kommt? Fände ich total cool! ❤ vielleicht hast du ja Lust drauf. 🙂

    LG
    Lena

    Gefällt mir

    1. Ja, Zocken ist soooo zeitraubend, deswegen lasse ich davon zurzeit auch die Finger. Aber Life is strange kann ich dir wirklich ans Herz legen, aber Vorsicht, einmal angefangen, wirst du wahrscheinlich nicht mehr so schnell aufhören können. 😉 Aber kein Spiel lohnt sich mehr, finde ich. ❤

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