Musik in Büchern

„Glückstage in der Hölle. Wie die Musik mein Leben rettete“ – Das Buch des Eels-Sängers

Den Vater trifft ein Schlaganfall, die Schwester begeht Selbstmord, die Mutter stirbt an Krebs – ihr meint, so viel Unglück kann kein Mensch haben? Leider nein. All das traf den Sänger der Band Eels, Mark Oliver Everett. Wie er all das überlebte, erzählt er schonungslos offen in seiner Autobiographie – und in seiner Musik.

Ich melde mich zurück – und zwar mit einem Buchtipp, der natürlich verdammt viel mit Musik und Songtexten zu tun hat. 😉
Berufliche Veränderungen und mannigfaltige Ablenkungen wie Sommerwetter, Computerspiele und die unendlichen Weiten der sozialen Netzwerke haben mich in eine Schreibblockade ohnegleichen fallen lassen. Doch nun hoffe ich auf die kalte Jahreszeit und darauf, wenigstens einmal im Monat einen neuen Beitrag hier abzuliefern!

Zurück zum Buchtipp: Das Werk, das ich euch ans Herz legen möchte, ist geschrieben von Mark Oliver Everett (Pseudonym: E), dem Sänger der Band Eels. Auf Deutsch trägt das Buch den Titel: “Glückstage in der Hölle. Wie die Musik mein Leben rettete.” Auf Englisch: “Things the grandchildren should know.”

Der Titel kommt nicht von ungefähr, sondern heißt wie das letzte Lied der Doppel-CD Blinking Lights and Other Revelations, die 2005 erschien. Ich finde, der Text dieses Liedes macht unglaublich neugierig auf das Buch und verrät viel über den Menschen Mark Oliver Everett. Dessen Lyrics sind frei heraus, ohne Schnörkel, aber deshalb nicht minder schön.

I go to bed real early
Everybody thinks it’s strange
I get up early in the morning
No matter how disappointed I was
With the day before
It feels new

Es gibt die Theorie, dass das Album Blinking Lights and other Revelations eine Lebensgeschichte von Kindheit bis ins hohe Alter erzählt. Da dies das letzte Lied auf der CD ist, stelle ich mir als Erzähler E als alten Mann vor, mit schneeweißem Haar, in einem Schaukelstuhl auf einer Terrasse.

Auf Eels offizieller Webseite steht über das Album geschrieben: „It’s about hanging on to my remaining shreds of sanity and the blue sky that comes the day after a terrible storm. And it’s a love letter to life itself, in all its beautiful, horrible glory.“

I don’t leave the house much
I don’t like being around people
Makes me nervous and weird
I don’t like going to shows either
It’s better for me to stay at home
Some might think it means I hate people
But that’s not quite right

Es ist kein Geheimnis, dass E ein wahnsinnig introvertierter, schüchterner Mensch ist, und das obwohl er vor Tausenden auf der Bühne steht (Das dies kein Widerspruch ist, beweisen viele Musiker). Er schreibt in „Glückstage in der Hölle“:  „Mit meiner lächerlichen, manchmal tragischen und immer inkonsequenten Erziehung erhielt ich das Geschenk erdrückender Unsicherheit.” (S. 14)

I do some stupid things
But my heart’s in the right place
And this I know

Welche dummen Dinge er getan hat, sei hier nicht verraten, die müsst ihr in dem Buch schon selbst nachlesen! 😉

I got a dog I take him for a walk
And all the people like to say hello
I’m used to staring down at the sidewalk cracks
I’m learning how to say hello
Without too much trouble

E ist zwar verdammt schüchtern, aber er bemüht sich, höflich zu sein und die Menschen zu grüßen, die ihm Hallo sagen. Auch wenn das als krankhaft schüchterner Mensch eine wahre Herausforderung sein kann! 

I’m turning out just like my father
Though I swore I never would
Now I can say that I have love for him
I never really understood
What it must have been like for him
Living inside his head
I feel like he’s here with me now
Even though he’s dead

E war erst 19 Jahre alt, als er seinen Vater Hugh Everett III tot auf seinem Bett fand: Herzinfarkt mit nur 51 Jahren.
E’s Vater war Physiker und der erste Wissenschaftler, der die Viele-Welten-Interpretation der Quantenmechanik vorgebracht hat. Ein ziemlich genialer Kopf also – und schwer depressiv. In dem Buch schreibt E: “Mein Vater war so wortkarg, dass ich ihn quasi als Möbelstück ansah. Er war einfach nur da.” (S. 24)

E hatte nie den klassischen Vater, der mit seinen Kindern redet und Unsinn treibt. Lange Zeit hegte er deshalb Groll gegen ihn und schwor sich, nie so zu werden wie er. Diese Liedzeilen sind nun seine Vergebung. E verzeiht seinem Vater, dass dieser nicht viel mit ihm gesprochen hat; er sich nicht um ihn und seine Schwester gekümmert hat. Und dass sein Vater nicht mehr Rücksicht auf seine eigene Gesundheit genommen, sondern gesoffen, geraucht und sich nur minimal bewegt hat – und deshalb wahrscheinlich vorzeitig verstarb (S. 209).

It’s not all good and it’s not all bad
Don’t believe everything you read
I’m the only one who knows what it’s like
So I thought I’d better tell you
Before I leave

So in the end I’d like to say
That I’m a very thankful man
I tried to make the most of my situations
And enjoy what I had
I knew true love and I knew passion
And the difference between the two
And I had some regrets
But if I had to do it all again
Well, it’s something I’d like to do

Kann es einen schöneren Liedabschluss geben? E hatte kein leichtes Leben, geprägt von Verlust und Tod, und doch ist er für alles so dankbar, dass er sagt: Wenn ich könnte, dann würde ich mein Leben genauso wieder leben. Er hat sein Frieden gefunden und wer das Buch liest, erfährt, dass er diesen hauptsächlich der Musik verdankt. Die Botschaft ist: Finde etwas, das du wirklich liebst und es wird dich durch alle schwere Zeiten leiten.
Für diese Hoffnung, die trotz aller Melancholie in Eels Liedern mitschwingt, liebe ich diese Band!

Liest man „Glückstage in der Hölle“ erweitert dies das Verständnis der Musik von Eels enorm. Aber auch so ist das Buch einfach nur lesenswert. Trotz vieler trauriger Seiten, ist es stellenweise saulustig, lakonisch geschrieben, ohne viel Schnörkel, so wie die Musik von E nun mal auch.

© Jana Benke

Anspieltipps (alle Alben gibt es auf Spotify):

  • „Climbing to the moon“  und „Last stop: this town“ auf Elektro-Shock Blues
    (auf diesem Album verarbeitet E den Selbstmord seiner Schwester und den Krebstod seiner Mutter)
  • „Daisies of the galaxy“ und „I like birds“ auf Daisies of the galaxy
  • „Fresh feeling“ auf Souljacker
  • „Blinking lights (for me)“ und „Losing streak“ auf Blinking lights and other revelations

Und hier* könnt ihr das Buch kaufen.

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