Textlupe

Metallica „The outlaw torn“

Trauer – damit verbindet man zunächst Stille, Schweigen, Abkapselung. Dass Trauernde aber auch wütend sein können, zeigen Metallica im Song “The outlaw torn”.

So now i wait my whole lifetime for you*

Auf wen? Auf ein Zeichen eines verstorbenen Menschen? Man mag ein noch so rationaler Mensch sein und nicht an das Weiterleben von Seelen glauben – ich wage zu behaupten, dass wohl jeder, der einen geliebten Menschen verloren hat, schon mal auf ein kleines Zeichen gehofft hat.

I ride the dirt, I ride the tide for you
I search the outside, search inside for you*

Der Sprecher hat viel dafür getan, dem Gesuchten zu begegnen: Verbotenes getan (Drogen?), Risiken eingegangen, hat in seinem Inneren geforscht und auch in der äußeren Welt gesucht – und ist doch nicht fündig geworden. 

To take back what you left me
I know I’ll always burn to be
The one who seeks so I may find
And now I wait my whole lifetime*

„Etwas zurückzunehmen, was du mir zurücklassen hast?“ Das ist rätselhaft. Wie kann man etwas zurücknehmen, das man schon hat? Ideen?

Der Sänger wollte unbedingt derjenige sein, der sucht und findet – wie in dem bekannten Sprichwort. Doch das Warten nimmt kein Ende.

The more I search, the more my need for you
The more I bless, the more I bleed for you*

Und schlimmer: Je mehr er sucht, desto größer wird das Bedürfnis, endlich fündig zu werden. Der Sänger kann den Toten nicht loslassen.
Und je mehr er diesen anpreist, erzählt, was für ein wunderbarer Mensch der Verstorbene war, desto mehr blutet ihm das Herz über diesen Verlust.

Wenig später folgt die Textstelle, die am deutlichsten darauf hinweist, dass es sich in dem Lied um einen Verlust dreht: den Tod des Metallica-Bassisten Cliff Burton im Jahr 1986.

You make me smash the clock and feel
I’d rather die behind the wheel
Time was never on my side
So long I wait my whole lifetime*

Cliff Burton starb, als der Metallica-Tourbus in Dänemark ins Schlingern geriet und zur Seite kippte. Der schlafende Cliff wurde durch das Fenster geschleudert, der Bus vergrub ihn unter sich. An dem Tag nach Cliffs Tod zerstörte Sänger James Hetfield ein komplettes Hotelzimmer, auch eine Uhr musste dran glauben. Außerdem betrank er sich und schrie immer und immer wieder Cliffs Namen.
Aus diesen Zeilen spricht so viel Trauer – und der Wunsch, man wäre lieber auch gestorben als diesen Schmerz für den Rest des Lebens zu ertragen.

Hear me
And if I close my mind in fear
Please pry it open
See me
And if my face becomes sincere
Beware
Hold me
And when I start to come undone
Stitch me together
Save me
And when you see me strut
Remind me of what left this outlaw torn*

Diese letzten Zeilen des Liedes singt James Hetfield weniger zornig. Er fleht den Toten an, ihn vor seinem emotionalen Chaos, seiner Angst, zu bewahren. Ihm Sicherheit zu geben, die sich aus dem Gedenken an die geschätzte Person speist.
Zudem sind die letzten Zeilen interessant: “strut” bedeutet “stolzieren” oder “sich brüsten”. Der Sänger bittet, sollte er mal die Nase zu hoch halten, dann möchte er erinnert werden an seinen…outlaw torn? Wie ich es drehe und wende, ich finde einfach keine gute deutsche Übersetzung. Ihr?

Dennoch, meine Interpretation ist, dass der Verlust eines Menschen einen mitunter als Ausgestoßenen („outlaw“) zurücklassen kann. Ausgeschlossen von den “normalen” Menschen, die noch keinen solchen Verlust erlitten haben. Und gerade dies bringt den Sänger auf den Boden der Tatsache zurück, sollte er abheben (insbesondere im Showbusiness eine Gefahr)

* Quelle

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